
Das können sie, die Profiteure der schlechten Laune: Sie befeuern diese Stimmung, um damit Stimmen zu sammeln. Niemand beschwört den angeblichen Untergang Deutschlands so düster und professionell wie die Rechtspopulisten von der AfD. Und sie treffen damit einen Zeitgeist der Verzagtheit und Resignation, bei manchen auch der Wut.
Blöd nur, dass die Apokalypse erst mal ausbleibt. Denn gerade in den letzten Wochen zeigen etliche Meldungen: Die immer noch drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist stärker und robuster, als viele glauben und manche hoffen.
Das Mini-Wachstum entsteht auch durch die Konjunkturpakete
Gerade erst haben Ökonomen ihre Konjunkturprognose fürs laufende Jahr leicht erhöht. Der leichte Aufschwung, der schon seit Ende 2025 verzeichnet wird, könnte 2026 auf 1,3 und 2027 auf 1,1 Prozent klettern, dann sagen die Experten eine Abschwächung voraus.
Dieses Mini-Wachstum entsteht auch durch die gewaltigen Konjunkturpakete des Staates für Infrastruktur und Verteidigung, ist also nicht selbsttragend. Und die Auswirkungen von Stellenabbau oder Werksschließungen, vor allem in der Automobilindustrie, etwa auch auf Zulieferer hier in der Region, sind noch längst nicht durchgeschlagen.
Doch Start-ups boomen: Noch nie wurden so viele Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen gegründet wie 2026 - vor allem dank Künstlicher Intelligenz samt ihrer Chancen und (Job-)Risiken. Deutschlands Exporte sind trotz Trumps Zöllen gefragt, vor allem in Europa.
Da ist eine Rückkehr zu alten Stärken des Standorts Deutschland denkbar. Das waren: gefragte Export-Produkte, besser und daher auch teurer als andere; der wichtige „Vorsprung durch Technik“; gut ausgebildete Fachkräfte und eine geschmeidige Tarifpolitik, die für sozialen Frieden sorgt.
Die Lohnforderung der IG Metall ist durchaus moderat
Daran anzuknüpfen wäre dringlich. Die IG Metall hat nun ihre Lohnforderung aufgestellt, sie will fünf Prozent mehr. Zu hoch, rufen die Arbeitgeberverbände reflexartig. Aber das stimmt nicht. Es ist ja eine Forderung, kein Abschluss - der natürlich spürbar niedriger liegen wird. Daher ist das Ziel durchaus moderat und der Lage angemessen - zumal akzeptable Lohnerhöhungen den Konsum stärken.
Am Samstag ruft der DGB bundesweit - auch in der Region - zu Kundgebungen auf; das Motto lautet „Hart verdient! Deine Arbeit. Deine Gesundheit. Deine Rente.“ Wer dahinter nichts anderes sieht als nervende Beeinträchtigungen eines reibungslosen Stadtbummels, der irrt: Die Gewerkschaften sind, aller oft leichtfertigen Schelte zum Trotz, ein wichtiger Stabilitätsfaktor im Land.
Und: Es wäre besser, sie einzubinden in Entscheidungen. Das hat diese Koalition bisher versäumt. Auch daher haben die vorliegenden Reformpläne teils eine soziale Schlagseite. Es würde sich lohnen, eine Art Neuauflage der „Konzertierten Aktion“ oder ein „Bündnis für Arbeit“ anzupeilen, um dort gemeinsam konsensfähige, gesellschaftlich besser durchsetzbare Reformen auf den Weg zu bringen: für stabilen Aufschwung, gegen den Untergang.


5 Kommentare
SpVggvon1903
ich wiederhole hier gerne: statt rentenbeitraege ( also bruttolohn von menschen und ag beitraege) in den internationalen fleischwolf der kapitalisten zu schmeissen, um den zockern noch mehr zu geben:
gleiches volumen jaehrlich ueber die kfw gesteuert in genossenschaftl. wohnungsbau der oeffentl. hand in deutschl. stecken.. so schafft man nachhaltige werte fuer zukuenftige generationen und ertraege bleiben im land
( geht nicht schreien sie? ... schauen sie sich die klugen menschen in wien an mit
200 000 kommunalen wohnungen )
oeffentl. grundbesitz nur noch als erbpacht vergeben um spekulanten abzuhalten,
mietpreissteuerung durch genossenschaftl. modell,
nachhaltig gegenueber weiteren generationen,
einfluss auf ( wo und wie wird gebaut )
schaffung von arbeitsplaetzen in bau, handwerk und modernisierung der infrastruktur durch neubau und renovierung..
was macht man hier: nimmt kredite und loehne der beschaeftigten und setzt sie spekulationsrisiken aus. ohne jegl. dauerhaften mehrwert in eigener hand
wo blieb ueberhaupt dieses modell in den vorschlaegen der rentenkommission, oder war das nicht gewollt?
26.09.2026 07:56 Uhr