Nürnberg - Kaum ein Thema löst derzeit so viel Angst aus wie das vermeintlich weltzerstörerische Potenzial der Künstlichen Intelligenz. Doch die Gefahr wird überschätzt - und dafür gibt es gute Gründe, kommentiert Thomas Correll.
24.09.2026 14:09 Uhr

Eine Bekannte hat kürzlich gestanden, dass sie „Bitte“ und „Danke“ schreibt, wenn sie mit einer Künstlichen Intelligenz (KI) interagiert. Grund dafür sei nicht nur ihre gute Erziehung, sondern auch eine Hoffnung: Wenn die KI beginnt, Menschen zu töten, werde ich vielleicht verschont. Es ist ein Horror-Szenario, über das auch US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping derzeit bei ihrem Treffen diskutieren. Die vielgeforderte Regulierung des KI-Wettrennens wird dabei wohl nicht herausspringen.

Es ist schon bemerkenswert, dass die großen Tech-Bosse aus den USA selbst davor warnen, eine außer Kontrolle geratende KI könne der Menschheit zur Gefahr werden. Normalerweise versuchen Firmen eher, potenzielle Nachteile ihrer Produkte zu verschleiern. Steht uns also die Auslöschung bevor?

OpenAI hätte Vorfälle von vornherein verhindern können

Eher nicht. Erstens wird aus unerfindlichen Gründen angenommen, die KI könnte unbemerkt einen perfiden Plan aushecken, um die Menschheit mit einem Schlag auszurotten. Viel wahrscheinlicher ist, dass es zunächst zu einzelnen Vorfällen kommt – wie bei den KI-Agenten der Firma OpenAI, die aus einem Versuchsaufbau „ausbrachen“, etwas Ähnliches ist gerade wieder passiert. Auf solche Vorfälle können Menschen jedoch reagieren, mit besseren Sicherheitsvorkehrungen hätten sie sogar von vornherein verhindert werden können.

Zweitens: Vor rund einem Jahr zitterten die Börsen vor einer KI-Blase, die platzen könnte. Die Bewertung der Tech-Firmen basiert weiterhin auf dem unendlichen Potenzial ihres Produkts in der Zukunft, nicht auf den heute damit erzielten Gewinnen. Die gibt es nämlich gar nicht, die Entwicklung von Claude und Co. ist teuer und unprofitabel. Die Probleme der KI übersteigen ihren Nutzen: Sie halluziniert, sie verbraucht unheimlich viel Energie und es gibt mittlerweile einen umfangreichen Wikipedia-Eintrag zu Morden und Selbstmorden, die mit KI-Hilfe begangen wurden.

Geht es nach den amerikanischen Tech-Giganten, soll das Geld aber weiter fließen. Und was demonstriert beeindruckender die Macht der KI, als das mögliche Ende allen menschlichen Lebens? Niemand redet mehr über die Blase. Zudem würden gerade die Marktführer von einer Regulierung profitieren: Sie haben kein Interesse daran, dass kleinere Konkurrenten KI-Modelle kostenlos zur Verfügung stellen. Es ist eine Gefahr für ihr Geschäft.

Drittens ist für Medien, das muss selbstkritisch festgehalten werden, der größte anzunehmende Unfall zugleich die attraktivste Geschichte. Da kann die Auswahl von Ansprechpartnern durchaus etwas einseitig erfolgen.

Es ist dennoch notwendig, KI unter menschlicher Kontrolle zu halten. Es braucht, vereinfacht ausgedrückt, einen obligatorischen Abschaltknopf. Das kann nur die Politik beschließen. Und es ist sicher nicht falsch, höflich zur KI zu sein – es ist niemals falsch, höflich zu sein. Es gibt aber auch keinen Anlass zu vorauseilender Unterwürfigkeit.