Nürnberg - Braucht es noch mehr Warnungen? Nun fordern erneut führende Köpfe der KI-Branche eine Pause und Regeln für die Künstliche Intelligenz. Wenn die Politik nun nicht handelt, wird es eng - und sehr riskant, kommentiert Alexander Jungkunz.
13.09.2026 11:29 Uhr

Zahlreiche Science-Fiction-Filme beschreiben dieses Horror-Szenario: Künstliche Intelligenz wird klüger und damit mächtiger als der Mensch, der sie erfunden hat - und sie wendet sich gegen ihren Schöpfer. In Stanley Kubricks „2001 - Odysee im Weltraum“ tötet der Computer HAL Astronauten, die ihn abschalten wollen. In „Matrix“ sind die Menschen geknechtete Energielieferanten der KI.

Albträume? Die Menschheit steht an der Schwelle davor, dass aus Fiktion Realität wird. Dass sich die immer bessere Künstliche Intelligenz womöglich tatsächlich gegen ihre Erschaffer richtet. Branchenkenner konkurrieren mit düsteren Berechnungen um Aufmerksamkeit: Liegt die Wahrscheinlichkeit, dass KI die Apokalypse einläutet, bei fünf Prozent? Bei zehn? Oder noch höher?

Die KI könnte das Internet lahmlegen oder Biowaffen entwickeln

Man kann solche Kalkulationen zynisch nennen. Aber da sie von Stimmen kommen, die genau wissen, was da an Risiken entsteht, sind sie bitter ernst zu nehmende Warnungen vor einer Gefahr, die größer ist als die der Atombombe: Die KI könnte - so mahnen Insider - das Internet lahmlegen. Oder Biowaffen entwickeln, die sehr schnell die Menschheit auslöschen können. Anfragen für deren Produktion gab es schon.

„Die Menschen, die KI entwickeln, halten es ernsthaft für möglich, dass sie uns alle töten könnte bis zum Ende des Jahrzehnts“ - mit diesen Worten begründete Anthropic-Mitarbeiter Jacob Coxon kürzlich, warum er bei dem KI-Unternehmen aussteigt. Die Zahl der Pannen und Zwischenfälle steigt zusehends - und mit ihr die Warnungen aus der Branche selbst.

Die Gefahren sind enorm. KI lässt sich auch zur forcierten Desinformation vieler Menschen nutzen - es kommt darauf an, wer ihr welche Art von Aufträgen geben kann und darf. Momentan erleben wir einen ungeregelten Wettlauf vor allem zwischen den USA und China: Wer hat die Nase vorn beim Rennen um die beste KI? Dem Sieger winken gigantische Gewinne, weil sinnvoll eingesetzte KI dramatische Fortschritte etwa in der Medizin verspricht.

Doch bei vielen Menschen löst die Rasanz der Entwicklung berechtigte Ängste aus. Sie wehren sich auch gegen die gigantischen Rechenzentren, die der Energie-Hunger der KI braucht. Sie haben oft Sorge um ihre Jobs - weil KI in der Tat vieles besser und vor allem billiger erledigen kann als teure menschliche Arbeitskraft. Auch da ist Politik gefragt. Steuern auf den Einsatz von KI sind in der Debatte - menschliche Arbeit wird ja auch besteuert.

Die Alarmrufe aus der Branche ähneln einem Betteln um Regeln

Vor allem aber braucht es rasch Regeln, idealerweise ein Abkommen, das auch die USA - wo Trump bisher wenig hält von Eingriffen - und China unterzeichnen. In allen anderen Bereichen der Wirtschaft gelten Sicherheitsstandards, Prüfungen, Vorschriften - aber nur bei der hochgefährlichen KI soll es sie nicht geben? Die Alarmrufe und Pausen-Anregungen aus der Branche selbst ähneln inzwischen einem Betteln um Regeln: Tut was, bevor etwas passiert!