
Wer den gut recherchierten Thriller „Blackout“ von Marc Elsberg gelesen hat, dem dürfte es bei der Lektüre heiß und kalt den Rücken heruntergelaufen sein. Der Autor beschreibt einen länger andauernden Strom-Totalausfall nach einer Sabotage. Was der Laie daraus lernen kann: In kürzester Zeit bricht unser ganzes gewohntes Leben zusammen, weil nicht nur Herd, Fernseher und Beleuchtung ausfallen, sondern auch Toilettenspülung, Supermärkte, Tankstellen und vieles anderes.
Es braucht noch gar nicht mal solch einen umfassenden Blackout, um Hunderttausende von Menschen akut zu bedrohen. Das hat der linksterroristische Brandanschlag auf ein Stromkabel in Berlin im Winter 2026 bewiesen. Kranke und Betagte mussten eilends aus ihren eiskalten Wohnungen gerettet werden, sonst wäre ihr Leben gefährdet gewesen.
Der physische Schutz unserer Stromnetze reicht nicht aus
Und nun erleben wir binnen weniger Tage gleich dreimal nacheinander Beschädigungen und Sabotageversuche - in Jänschwalde, Bergheim und Dormagen. Diese Vorfälle zeigen die Schwachstelle eines hochentwickelten Landes: Deutschland hat seine Energieversorgung technisch immer stärker vernetzt, den physischen Schutz dieser Netze aber nicht in gleichem Maße mitentwickelt.
Ein Umspannwerk hinter einem Zaun, eine frei zugängliche Hochspannungsleitung, wenige Minuten Zeit, minimale, eventuell im Internet angelesene Kenntnisse - diese Kombination kann offensichtlich genügen, um Anlagen von erheblicher Bedeutung zu treffen. In Bergheim blieb immerhin das Stromnetz stabil. Ein gutes Zeichen. Aber darauf darf man sich beim nächsten Mal nicht verlassen.
Was kann nun getan werden? Zunächst müssen Bund und Länder in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern feststellen, wo die Anlagen besonders verwundbar sind. Nicht jeder Leitungsmeter, nicht jeder Strommast kann geschützt werden, aber wenigstens bei den Knotenpunkten sollte das der Fall sein. Es werden erhebliche bauliche Veränderungen nötig sein, zudem der Einbau von Sensoren und Kameraüberwachung. Die kritische Infrastruktur muss auch als Ganzes in den Blick genommen werden, denn vieles hängt miteinander zusammen - Telekommunikation, Rechenzentren, Wasserwerke und Flughäfen etwa.
Auch jeder einzelne Haushalt ist bei der Vorsorge gefragt
Und weil Anschläge nie ganz zu verhindern sein werden, muss der haupt- und ehrenamtliche Katastrophenschutz ausgebaut werden. Denn das sind die Menschen, die uns in solchen Situationen beistehen. Jeder einzelne Haushalt sollte überlegen, wie er sich auf den Ernstfall vorbereiten kann. Das reicht von Wasservorräten über einen Lebensmittelvorrat und Kurbelradios bis zu größeren Investitionen wie Notstromanlagen. Damit soll der Staat nicht aus seiner Verantwortung entlassen werden, aber wir müssen wissen, wie wir uns in Notlagen vorübergehend auch selbst helfen können.
Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels hieß es fälschlicherweise, das Buch „Blackout“ sei von Andreas Eschbach.


1 Kommentar
M95L
...ein eher vernagelter Teil der Bevölkerung widerspricht mit Aggnoranz jeglicher Bedrohungslage. Nicht zu fassen...
04.09.2026 15:20 Uhr