
Der russische Diktator Putin wird seine Freude haben. Kaum passiert etwas in der Republik und noch bevor die Faktenlage klar ist, setzt schon der Reflex ein, dass dahinter dessen hybride Kriegsführung gegen uns stecken müsse. Das ist gefährlich - nicht nur, weil es die Ängste befeuert, die viele umtreiben. Es verschleiert auch den Blick auf die Tatsachen. Und genau das ist Putins Ziel.
Natürlich können seine Handlanger hinter den Anschlägen auf Stromleitungen in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen stecken. Es können freilich genauso gut die linksradikalen Terroristen sein, die seit Monaten und Jahren unsere Infrastruktur angreifen, in Berlin, in München und anderswo. Und klar könnte der Zwischenfall am Augsburger Hauptbahnhof auch das Werk eines russischen Kommandos gewesen sein. Oder es war, wie jetzt im Raum steht, ein gescheiterter Einbruchsversuch. Beides blieben auch dann Verbrechen, wenn nicht die Russen dahinterstecken.
Das Auflösen der grenzen ist Teil der perfiden Taktik Putins
Das ist ihre Absicht: Sie verwischen die Grenzen zwischen den Delikten und steigern so die Unsicherheit in der Republik. Es ist eine Taktik, die rechtsextremen Kreisen geläufig ist, und die das Terrortrio NSU seinerzeit angewandt hat. Wer sich nicht bekennt zu seinen Taten, schafft Raum für Spekulationen, die weit über die eigene Verbrechen hinausgehen,
So wächst die Verunsicherung doppelt - weil wir dem Terror Putins mehr zurechnen, als er ohnehin schon liefert. Und auch, weil wir gleichzeitig mit jeder falschen Zuordnung denen in die Karten spielen, die Putins Staatsterror und seine allenfalls noch halb-hybride Kriegsführung gegen uns leugnen, wie es die AfD tut. Jede Spekulation ist für sie ein willkommener Anlass, auf die vermeintliche Schieflage hinzuweisen.
Es wäre im Sinne aller, im Sinne der Bevölkerung, der Ermittler, der Politik, wenn wir den Sicherheitsbehörden nicht vorgreifen und vorschnell urteilten. Auch wenn es nicht Putins Zombies gewesen sein sollten, wiegen die Anschläge auf die Stromnetze schwer genug, hätte der Zwischenfall in Augsburg ganz anders ausgehen können. Doch dafür haben wir Polizei und Staatschutz, Justiz und Gerichte. Sie müssen aufklären und beurteilen. Erst danach ist die Politik am Zug.
Die muss den Sicherheitsbehörden die notwendigen Befugnisse an die Hand geben, wie das gerade und vielleicht in letzter Sekunde geschieht. Und sie muss am Ende die Täter klar benennen, die Hintermänner, die Motive. Selbst wenn es dafür zwangsläufig nicht immer die hundertprozentige Gewissheit gibt. Denn auch das ist ein Ziel Russlands: dass es die Urheberschaft verschleiert und mit maximal aggressiver Rhetorik gegen jede Zuweisung vorgeht.
Davon aber darf sich die Bundesregierung nicht einschüchtern lassen. Sie muss sich wehren, auch verbal, wenn die Beweislage das trägt. Denn Putin versteht nur die Sprache der Stärke; Verzagtheit oder Zurückhaltung interpretiert er Freibrief für weitere Aktionen.


5 Kommentare
nomue1
@Max, meine Meinung ist unter anderem, dass man nicht voreilig irgendwelche Verdächtigungen raushauen sollte.
05.09.2026 17:55 Uhr