
„Das ist mein Galerist!“, sagt Veronika Hilger anlässlich ihrer Ausstellung im Museum Lothar Fischer. Und bei ihr klingt das mit Betonung auf dem „mein“ klar, bestimmt, ausschließlich und vielleicht auch ein bisschen stolz, wenn sie von Johannes Sperling spricht, der mit zur Vernissage aus München gekommen war. Wenn man ihn jetzt in seiner Galerie in Münchens Maxvorstadt, im Hinterhof an der Enhuberstraße, besucht, klingt das „stolz“ genauso glaubwürdig, wenn er von Veronika Hilger spricht, der Lothar-Fischer-Preisträgerin - aber ansonsten auch in Bezug auf die anderen Künstlerinnen, die er vertritt: „All meine Künstler sind ganz nah an mir dran, mit ihrer Kunst, mit ihren Bedürfnissen.“
„Künstlerisch, freundlich, geschäftlich“: Die Verbindung zu Veronika Hilger, deren Ausstellung in Neumarkt prächtig angelaufen ist, besteht seit 2014, als Johannes Sperling ihre Diplomausstellung in der Akademie der Bildenden Künste gesehen hatte und sie die erste Künstlerin war, die er in seiner Galerie, nicht weit vom Münchner Museumsviertel, ausgestellt hat.
Dort sieht es nicht gerade nach Maximilianstraße aus, im Moment sind seine Galerieräume bis Anfang September leer, aber weiß getüncht, knapp vier Meter hoch und für alles geeignet, was man an moderner Kunst heute so ausstellt: nicht mehr in der Galerie, sondern online oder mit den drei kleinen Gemälden von Veronika Hilger. „Sperling“ und sonst nichts steht auf dem Schild, das draußen neben der Einfahrt hängt. Im Hof wabert nicht nur die Sommerhitze, sondern auch alles, was zur Vorbereitung der neuen Saison gehört: Es ist die Zeit der neuen Connections, der Planung neuer Ausstellungen, neuer internationaler Verbindungen.
Was ein Galerist lange vor einer Ausstellung alles organisiert
Sperling sorgt für neue Ausstellungen, die Kommunikation mit den richtigen Museumsorten, die Technik der Räume und die teuren Versicherungen. Das ist verschieden aufwändig, teuer, polyglott, je nach Location. Lange bevor die Ausstellung hängt, hat Sperling die Museumsleiter, eventuelle Kunden, Kuratoren im Kopf, mag sich beim Entstehen der Kunstwerke auch als persönlicher Seelsorger fühlen. Und als Begleiter des Entstehungsprozesses. Im Falle Veronika Hilger ist das keine Frage zwischen „richtig“ und „falsch“. Sperling: „Der Künstler hat immer recht; jeder sieht, was er sieht.“
Daraus ergibt sich das gegenseitige Interesse aneinander, die Werke sind ein Spiegel für den Betrachter, auch den kundigen Galeristen: Die Interpretation kann ganz unterschiedlich sein. Wenn sie zwischen Hilger und Sperling ganz unterschiedlich ist, wäre das noch längst kein Anlass, einen Künstler aus der Galerie zu „entlassen“ - das gibt es bei Sperling nicht. Es gibt auch einen schriftlichen Kontrakt: „Schließlich kann ich nicht auf einem Stück Papier festlegen, wie viele Werke ein Künstler zu liefern hat, wie groß, wie bunt, wie aufwändig und pro Jahr.“
Auch wenn Johannes Sperling ein Studium wie Jura und BWL begonnen hatte, ist er nicht bei justiziablen Vereinbarungen mit seinen Künstlern geblieben: Vertrauenssache. Wann der Umschwung zur Kunst bei Sperling kam, das weiß er nicht mehr ganz genau: „Begeisterung für die Kunst gab es bei mir immer“, er wusste, was eine richtige Künstlerin ausstellen sollte, wie man ausstellt, wie verkauft: Seine berufliche Umorientierung passierte innerhalb von drei Wochen. Schnell hatte er ein Praktikum, eine feste Stelle, da war der junge Mann aus der Holledau zum Studium in Paris, Berlin und München, seine Begeisterung für Giacometti oder Matisse setzte sich fort. Und da fällt ihm in seiner Vita noch ein: „Im Leistungskurs Geschichte habe ich über die ‚entartete Kunst‘ der Nazis geschrieben, und zu meinem 18. Geburtstag habe ich mir eine Fahrt zur ‚documenta‘ nach Kassel gewünscht.“
Und jetzt mit 44 findet er wichtig, dass es in seiner Galerie und den Ausstellungen immer einen stilistisch roten Faden gibt - genauso wie bei ihm zuhause, wo er Bilder all seiner Künstler hängen hat. Das sollen Sachen sein, „womit man nie fertig wird“.
Info
Die Ausstellung im Museum Lothar Fischer dauert bis Sonntag, 11. Oktober




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