Gunzenhausen/Landkreis Ansbach/Weißenburg - In den vergangenen Tagen war es kühler, zuvor gab es einige Regenschauer. Nun lockt der wohl letzte Badetag der Saison: Kann man unbesorgt in die Seen im Fränkischen Seenland springen? Das Gesundheitsamt klärt auf.
08.09.2026 10:34 Uhr

Die Badefreude im Fränkischen Seenland bleibt getrübt - zumindest, wenn man nach den aktuellen Wasseranalysen des Gesundheitsamts am Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen geht. Die Behörde spricht für das Seezentrum Wald und den abgetrennten Badebereich am Seezentrum Schlungenhof nämlich eine Badewarnung aus (Stand: 8. September 2026). Für das Seezentrum Muhr am See, das Seezentrum Schlungenhof außerhalb der Badebucht sowie das Surfufer Schlungenhof gilt sogar ein Badeverbot.

Der Grund für die Warnungen und Verbote sind die hohe Konzentration von Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt. Dadurch seien „gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht auszuschließen“, so das Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen. Badende werden gebeten, die Beschilderung vor Ort zu beachten, da sich die Situation an den Badestellen je nach Wind- und Wettersituation kurzfristig wieder ändern könne.

Am Kleinen Brombachsee bleiben die Badeverbote weiterhin bestehen, betroffen sind derzeit das Seezentrum Absberg-Seespitz, das Seezentrum Badehalbinsel Absberg sowie die Badeinsel Absberg-Wakepark (Badebereich). Am Seezentrum Langlau herrscht nicht nur ein Badeverbot, das Gesundheitsamt warnt dort auch vor einem vermehrten Auftreten von Badedermatitis. Als wahrscheinlichste Ursache kommen die Larven bestimmter Saugwürmer infrage, die beim Baden kurzzeitig in die Haut eindringen. Dies kann zu juckenden roten Flecken oder kleinen Quaddeln führen. In der Regel sind sie harmlos, heißt es.

Um dem Juckreiz zu entfliehen, sollten Badende aber nach ihrem Schwimmgang duschen und sich kräftig abtrocknen. Außerdem sollte man sich nicht lange im flachen Uferbereich aufhalten und die Badekleidung nach dem Schwimmen wechseln.

Der Hahnenkammsee und der Große Brombachsee sind nicht von Verboten oder Badewarnungen betroffen. Auch am Igelsbachsee ist laut der Bade-Ampel des Rother Landratsamts ein ungetrübtes Badevergnügen möglich.

Die Badewarnungen und -verbote, die das Gesundheitsamt am Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen ausspricht, kann die Behörde allerdings nicht kontrollieren, wie eine Nachfrage des „Altmühl-Boten“ ergeben hat.

Die Blaualgen sorgen schon seit einigen Jahren immer wieder für Probleme an den Seen im Fränkischen Seenland. Bereits Mitte Juni 2026 hatte das Gesundheitsamt zum ersten Mal ein Badeverbot am Altmühlsee ausgesprochen. Der Grund war eine starke Vermehrung von Blaualgen.

Bei langanhaltend warmen Temperaturen bildet sich eine „Blaualgenblüte“, die mit bloßem Auge als grünliche Schlieren im Wasser erkennbar ist. Sobald sich die Situation verbessert, informiert das Gesundheitsamt darüber unter www.landkreis-wug.de/badegewaesser.

Rechtzeitig zur Badesaison 2026 ging der abgetrennte Badebereich am Altmühlsee in Schlungenhof als Pilotprojekt an den Start. Innerhalb der Bucht wird das Wasser gesäubert, damit es nicht zur Blaualgenblüte kommt. Das hat bisher nicht durchgängig funktioniert. Für die Vermehrung der Blaualgen innerhalb des abgetrennten Badebereichs könnte es mehrere Gründe geben, heißt es vom Wasserwirtschaftsamt Ansbach.

Während der Badesaison kontrolliert das Gesundheitsamt am Landratsamt Weißenburg-Gunzenhausen regelmäßig die hygienische Badewasserqualität (Fäkalkeime) an den Badestellen im Landkreis. Zudem ist es für die Einschätzung des Sicherheitsrisikos und des gesundheitlichen Risikos für Badende zuständig, wie es auf seiner Webseite erklärt. Für den Altmühlsee ergaben diese Proben in der Vergangenheit häufig ein vermehrtes Blaualgenvorkommen (Cyanobakterien).

Altmühlsee im Fränkischen Seenland: Warum sind Blaualgen so gefährlich?

Die Behörde warnt davor, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen aufgrund der Cyanobakterien und der von diesen produzierten Giften nicht auszuschließen seien. Badende sollten unbedingt die Beschilderung vor Ort beachten, da sich die Situation an den einzelnen Badestellen je nach Wind- und Wettersituation jederzeit wieder ändern kann.

Bei normaler Konzentration sind die Bazillen zunächst ungefährlich - eine Massenentwicklung kann die Wasserqualität jedoch deutlich verschlechtern. Cyanobakterien enthalten eine Vielzahl von Wirkstoffen, davon sind einige auch giftig, schildert das Umweltbundesamt. Die Cyanotoxine gehören zu den stärksten natürlichen Giften.

Die Bakterien können unter anderem folgende Symptome auslösen:

  • Haut- und Schleimhautreizungen
  • Bindehautentzündungen
  • Ohrenschmerzen
  • Übelkeit
  • Durchfall und Erbrechen
  • Gliederschmerzen
  • Atemwegserkrankungen und allergische Reaktionen

Gerade bei langanhaltenden hohen Temperaturen kann sich auf Gewässern ein Blaualgenteppich bilden, der auf der Wasseroberfläche zu liegen scheint, informiert das Gesundheitsamt im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen. Tatsächlich befinde sich dieser aber nicht nur an der Oberfläche des Gewässers, sondern teilweise zehn bis 20 Zentimeter unter Wasser.

Durch diese „Blaualgenblüte“, die mit bloßem Auge als grünliche Schlieren im Wasser erkennbar ist, ergebe sich eine massiv eingeschränkte Sichttiefe. Dies führe zusätzlich zu einem beträchtlichen Sicherheitsrisiko bei der Rettung Ertrinkender. Für Badegäste sowie auch für badende Hunde kann es bei einer massiven Blaualgenblüte auch zu gesundheitlichen Risiken kommen, heißt es weiter. Als Faustregel für das Baden gilt, dass man im knietiefen Wasser die Füße noch sehen können sollte.