
Ein bisschen ist es wie im Klassenzimmer: Da gibt es Musterschüler und solche, die sich permanent fehlverhalten, die Außenseiter, mit denen keiner was zu tun haben will. Und dann sind da noch die, die manchmal gehörig übers Ziel hinausschießen, auf dem Pausenhof aber dennoch um Anerkennung der anderen buhlen. Womit wir bei der Linken angekommen sind: Diese Partei will einerseits Anschluss an die demokratische Mitte, andererseits toleriert sie Dinge, die schlicht nicht zur Mitte passen.
In Berlin haben die Linken soeben eine Wahl fulminant gewonnen - kaum jemand hatte dieses Ergebnis (ein Viertel der abgegebenen Stimmen entfiel auf die Partei) und den deutlichen Abstand zur CDU im Vorhinein prognostiziert. Elif Eralp könnte Regierende Bürgermeisterin von Berlin werden.
Sehr viele offene Fragen sind zu klären
Warum „könnte“? Weil die nächsten Tage Aufschluss darüber geben müssen, wie ernst die Linke ihr „Wir-wollen-zu-euch-dazugehören“-Projekt nimmt. SPD und Grüne, die potentiellen Gesprächs- und im nächsten Schritt auch Koalitionspartner, melden zurecht Zweifel an. Kann man mit einer Partei zusammenarbeiten, die auf ihrer Wahlparty einen Kriminellen mindestens eine Zeitlang geduldet hat? Die Menschen mit klar antisemitischen Positionen toleriert und die Personen, die Gewalt gegen Zivilisten unterstützen, nicht sonderlich hart attackiert?
Es ist, um das klar zu sagen, ein Skandal, wenn der linke Bundestagsabgeordnete Ferat Kocak ungeniert mit Unterstützern der „Volksfront für die Befreiung Palästinas“ unterwegs ist - und nun glaubt, mit dem vorübergehenden Ruhen seines Mandats davonzukommen.
Nein, die Linke muss jetzt raus aus ihrer selbstgewählten Komfortzone. Wer ein Bundesland regieren will, kann in den eigenen Reihen, konkret: im Landesverband, keine solchen „Parteifreunde“ dulden. Klare Kante gegen jede Form der Gewalt, für die Demokratie - so einfach ist das. Elif Eralp weiß um die Schwere der Lage, hinter den Kulissen wird heftig gerungen.
Die Linke, das ist Teil der Wahrheit, legt zwei Gesichter an den Tag: Hier die vernünftigen, unzweifelhaften Demokraten (Thüringens Ex-Ministerpräsident Bodo Ramelow war so ein untadeliger Vertreter), dort die zweifelhaften Figuren mit Linksaußen-Drall. Im Kommunalen, etwa in Nürnberg, tritt die Linke durchaus seriös und sachorientiert auf, in Berlin-Neukölln, einer Keimzelle des linken Erfolgs in der Hauptstadt, würde das kaum jemand so formulieren.
Entweder in die Mitte gehen zu den Demokraten oder links außen am Rand bleiben
Die Linke steht am Scheideweg: Sie hat enormes Potenzial gerade in jüngeren, urbanen Gruppen, sie hat gleichzeitig in Teilen eine Nähe zu Personen mit nicht akzeptablen Grundhaltungen. Auf den Pausenhof übertragen heißt das: Entweder in die Mitte gehen zu den Demokraten oder links außen am Rand bleiben. Die Sondierungsgespräche in Berlin werden eine Antwort liefern, das Lavieren muss ein Ende haben.

3 Kommentare
Wowo
Komisch, bei der AfD wird jeder und jede von vorneherein als extrem und demokratiefeindlich eingestuft, mit dem man nicht zu reden hat. Bei den "Linken" ist die Rede von Personen, die ja vielleicht doch nicht so extrem und demokratiefeindlich sind. Was die Linke in Berlin vorhat, wird nicht dazu beitragen, daß es unserem Land besser geht. Wenn man sich vor Augen führt, wer die Vorgänger der "Linken" waren oder auch noch sind, könnte man doch durchaus auch den Verdacht haben, so wie bei der AfD, daß es sich dabei um den Wolf im Schafspelz handelt. Warum das immer wieder so unterschiedlich gesehen wird ist für mich unbegreiflich.
25.09.2026 23:55 Uhr