
Es sind ambivalente Signale, die aus Kloster Banz kommen. Da ist CSU-Chef Markus Söder, der kein Wort der Kritik an Bundeskanzler Merz äußert. Da ist die CSU-Fraktion, die sich hinter Söder sammelt und alarmiert den Niedergang der Union verfolgt, weil der Abwärtssog auch Bayern erreichen könnte.
Und da sind die Fraktion und Söder, die glauben zu wissen, wie sich das Blatt wenden ließe: mit einem klaren konservativen Kurs (Söder) und einem Kanzlertausch (Fraktion). Seit Tagen skizziert der CSU-Chef seine Strategie für Berlin. Er warnt vor einem Weg in die Mitte, sagt, die Union müsse die AfD inhaltlich stellen. Er will dafür die Brandmauer nicht einreißen, aber transparent machen. Damit die AfD-Themen erkennbar werden, die der Union aus dem Blick geraten sind.
Söder will mehr Volksnähe, mehr Gefühl und mehr Kante
Er mahnt mehr Volksnähe an, eine Rückbesinnung auf traditionelle Werte als Angebot an das konservative Publikum - weil es gefühliger ist. Söder umschreibt das mit mehr Empathie in der Politik, einem Attribut, das in der CSU niemand dem Kanzler zuschreibt. Ihn sehen sie als verbrannt an. Merz, so die Lesart, hat jede Sympathie verspielt. Er ist Ballast, nicht Retter.
Söder ist ein guter Analytiker, er sieht Fallstricke früh. Sein Ruf nach einem Gerechtigkeitscheck für die Berliner Reformen ist eine Reaktion auf das Unverständnis in Teilen der Bevölkerung für die Pläne. Er glaubt, dass sich so die Menschen wieder gewinnen lassen für den unzweifelhaft nötigen Wandel. Merz, so seine Analyse, nimmt die Menschen nicht mit, verprellt sie mit seiner kalten Art.
Das ist das, was Söder mit Empathie meint: auf die Gefühlslage der Menschen eingehen, auf ihre gefühlte Situation. Wenn sie die Flüchtlingspolitik als ungerecht empfinden, den Sozialstaat zu ihrem Nachteil aus der Balance sehen und sich fragen, ob der Umgang mit den ukrainischen Flüchtlingen angemessen ist, kann die Regierung das nicht ignorieren.
Die Loyalität der CDU wäre begrenzt - auch, weil das bei Söder nicht anders war
Der Nürnberger findet mit seiner plakativen Sprache die geschmeidigeren Antworten als Merz. In der Fraktion sitzt der Frust deshalb tief. Dort warnen sie, die Bundespolitik igele sich ein, ziehe sich panisch ins Schneckenhaus zurück. Sie haben sich aus den Wahlkämpfen im Osten berichten lassen, wie die CDU die Öffentlichkeit gescheut hat aus Angst vor der Konfrontation mit der AfD und ihren radikalen Anhängern.
Söder und seinen Spitzenleuten ist das fremd. Auch das halten sie für ein Rezept, das der Kanzler befolgen müsste. Weil er den Konflikt nicht sucht, verzweifeln sie an ihm. Und halten Söder für die Idealbesetzung, nicht den Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst.
Doch sie wissen, dass der Kniefall der CDU vor Söder bedingungslos sein müsste. Dass die CDU diese absolute Loyalität gegenüber dem 59-Jährigen dauerhaft aufbringen könnte, bezweifeln sie - auch, weil der sie in der Vergangenheit umgekehrt hat missen lassen. So sehr sie sich einen Kanzler Söder wünschen - daran glauben können sie nicht.

5 Kommentare
Wowo
@nomue1, die Situation ist ziemlich verfahren. Es müsste eine (1) Partei regieren, um dann auch mal unbequeme Entscheidungen durchziehen zu können. Mit zwei, drei oder gar vier in der Regierung wird das nie gelingen, denn jeder Politiker egal welcher Partei hat seine "Widersacher" in den eigenen Reihen, die an die eigene Karriere denken. Genau das ist ja das Problem der demokratischen Parteien, sie haben sich alle abgewöhnt, auf das Volk/die Wähler zu hören. Das macht sich die AfD zunutze und hat diesbezüglich strategische Vorteile.
24.09.2026 16:28 Uhr