Nürnberg - Der Staat muss eingreifen, um die Spritpreise zu senken. Tut er das nicht, legt die AfD weiter zu, schreibt NN-Chefredakteur Michael Husarek in seinem Pro-Kommentar.
15.09.2026 13:57 Uhr

Drei Euro. So viel könnte der Liter Benzin bald kosten. Eine vor kurzem noch unvorstellbare Zahl. Die Frage nach einer Regulierung drängt sich deshalb auf. Denn irgendwann ist Ebbe im Geldbeutel vieler Menschen. Und diese Menschen sind umso anfälliger für die billigen Parolen der Populisten im Lande. Und sie lassen sich nicht mit Verweisen auf die schwierige Lage in der Straße von Hormus abspeisen.

Die AfD hat es in Sachsen-Anhalt vorgeführt: Mit dem Thema Energiepreise lässt sich ein Wahlkampf bequem und erfolgreich führen. Diese Erfolge an der Wahlurne sollten alle Alarmglocken läuten und alle - in anderen Zeiten durchaus berechtigten - Bedenken beiseite rücken lassen.

Spritpreise: Es ist jetzt nicht die Zeit für theoretische Debatten

Denn es stimmt schon: Eigentlich sollte der Staat so wenig wie möglich regulieren. Wirtschaftsexperten weisen darauf sehr entschieden hin. Nur: Es sind nicht die Zeiten für theoretische Debatten, vielmehr müssen rasche Entscheidungen getroffen werden. Wer mit Blick auf den kommenden Sonntag und die dann anstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin das Wachstum der populistischen Parteien einhegen will, muss Spritpreissenkungen auf den Weg bringen.

Finanzpolitisch wäre es darstellbar, an der Steuerschraube zu drehen. Die „Zwölf-Uhr-Regel“ allein hatte keinen allzu großen Effekt, es muss mehr passieren. Ansonsten droht das Vertrauen vieler Bürgerinnen und Bürger in die politische Handlungsfähigkeit der Parteien der Mitte weiter zu erodieren.

„Die schaffen es nicht, uns zu helfen, die Alltagsprobleme zu lösen“: Solche Sätze sind derzeit häufig zu hören, auch den Parlamentariern der Großen Koalition sollten sie nicht entgehen. Umso erstaunlicher, wie wenig passiert. Deutlicher, als es in Sachsen-Anhalt der Fall gewesen ist, kann ein Warnschuss nicht ausfallen. Knapp 44 Prozent der Stimmen holte dort die AfD; zählt man den BSW-Stimmenanteil dazu, kommt eine Mehrheit der Mandate heraus, die Protestparteien im Magdeburger Landtag auf sich vereinen können.

Außergewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, so sollte deshalb das Motto der Berliner Koalitionäre lauten. Wer jetzt die Spritpreise senkt, dämpft auch die Erfolgsaussichten der Radikalen und Extremisten!