
Es ist die deutscheste aller Lösungen: Es gibt ein Problem, das den Unmut von Bürgern entfacht? Wir schütten es mit Steuergeld zu. Das hilft kurzfristig, so wie es der Tankrabatt im Frühsommer getan hat. Beseitigt aber keine der strukturellen Ursachen, wegen der das Problem überhaupt erst entstanden ist. Weswegen es kurzsichtig wäre, die Spritpreise von Seiten des Staates zu senken.
Viel war wieder zu lesen in den vergangenen Wochen davon, dass die Menschen in Deutschland auch unangenehme Wahrheiten vertragen. Okay, hier kommt eine unangenehme Wahrheit: Fossile Rohstoffe werden auf lange Sicht immer teurer werden - und das ist gut so. Weil ihr Verbrennen unseren Planeten in eine Krise gestürzt hat, deren Auswirkungen im Hitzesommer 2026 auch für die Deutschen zu spüren waren. Man möchte fast sagen: endlich zu spüren waren, klänge das nicht so zynisch.
Neuer Tankrabatt wegen hoher Spritpreise: Wieso sollen das all diejenigen mitbezahlen, die gar kein Auto haben?
Ein Staat, der durch sein Handeln die Preise für Benzin und Diesel senkt, senkt den Anreiz, mit fossilen Brennstoffen so sparsam wie möglich umzugehen - das befeuert den Klimawandel. Wer den nächsten Tankrabatt fordert, hält diesen Klimawandel aber offenbar für eine abstrakte Bedrohung, mit der wir uns in den kommenden Jahrzehnten beschäftigen sollten.
Es ist richtig, dass der staatliche Anteil am Spritpreis groß ist. Falsch ist, der Staat würde ja von den steigenden Preisen profitieren (und könne deshalb etwas zurückgeben): Zwar wächst die eingenommene Mehrwertsteuer bei steigenden Preisen für jeden Liter getanktes Benzin, sagt DIW-Forscher Tomaso Duso. Mehr Geld nimmt der Staat in absoluten Zahlen deswegen aber nicht ein, weil insgesamt weniger getankt werde.
Zu den unangenehmen Wahrheiten gehört übrigens noch etwas anderes: Nicht in allen, aber in vielen Regionen Deutschlands ist der Nahverkehr gut ausgebaut - und eine echte Alternative. Das gilt in der Metropolregion mindestens für das Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen. In einem freien Land ist es das gute Recht eines Beschäftigten, auch bei guter Bus- und Bahnverbindung mit dem Auto zur Arbeit zu fahren. Aber ein denkbar schlechtes Argument dafür, warum das all diejenigen Menschen mitfinanzieren sollen, die nicht einmal ein Auto haben.

4 Kommentare
Wowo
Und dazu allgemein noch: was bringen dem Privatbürger die gewollten Reaktionen auf den Klimawandel, wenn überall auf der Welt gegen das Klima gehandelt wird, wenn es ständig Kriege gibt, die mit Sicherheit nicht zur Verbesserung des Klimas beitragen und wenn, wie jetzt z.B. wieder Ölteppiche die Straße von Hormus verschmutzen usw. Wir (der Mensch) kriegen das mit dem Klimaschutz nicht auf die Reihe, es ist zu viel für uns. Wir können das nicht, weil wir lieber Geld und Macht als Ziele haben.
15.09.2026 23:57 Uhr