
Eine Woche lang werben viele Zeitungen, Online-Portale, TV-Sender und Radiostationen aus ganz Deutschland gemeinsam für unabhängigen Journalismus. Aus gutem Grund: Denn die Rahmenbedingungen für Medien sind aus vielerlei Gründen schlechter geworden.
Zum einen aus finanziellen Gründen: Werbeerlöse gehen zurück, insbesondere weil die Big-Tech-Plattformen den Rahm abschöpfen. Facebook, Instagram, Google und Co. kassieren einen Gutteil digitaler Vermarktungseinnahmen. Zum anderen schwinden Reichweiten klassischer Produkte, wie etwa der gedruckten Tageszeitung. Dazu kommen gesetzliche Veränderungen, etwa der gestiegene Mindestlohn oder die geplante Mini-Job-Besteuerung, die vielen Häusern das Leben schwerer machen.
Wie wollen wir kommunizieren, wo wollen wir uns informieren?
Es ist also an der Zeit, eine breit gefächerte Diskussion über die Zukunft unserer Öffentlichkeit anzustoßen - wie wollen wir kommunizieren, wo wollen wir uns informieren, wem können wir dabei vertrauen? All diese Fragen verdienen es, intensiver debattiert zu werden. Gerade durch Social-Media ist es für viele Menschen zunehmend undurchsichtiger, von welchen Quellen sie ihre Nachrichten erhalten.
Dabei macht genau das den Unterschied: Denn eine funktionierende Demokratie lebt von Meinungsbildung, diese wiederum benötigt verlässliche Informationen. Dafür steht professioneller Journalismus. Er übernimmt die Garantie, dass Texte und Bilder bestimmten Qualitätskriterien unterliegen und handwerkliche Standards beim Produzieren und Verbreiten der Information eingehalten werden.
Qualitätsjournalismus ist somit der natürliche Feind jeglicher Desinformation. Und an Fake News mangelt es wahrlich nicht: In den vergangenen Jahren wurden immer häufiger einseitig gefärbte Halbwahrheiten versendet, die öffentliche Meinung teils erfolgreich zu beeinflussen versucht haben. Diese Entwicklung muss dringend gestoppt werden - deshalb hat sich ein sehr breites Bündnis aus Medien formiert.
Nach dem Wahlausgang in Sachsen-Anhalt ist diese Koalition umso wichtiger - schließlich fußt ein Teil des Erfolges der Rechtsextremisten auf Propaganda. Pressefreiheit und professioneller Journalismus brauchen mehr Rückendeckung aus Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Ansonsten drohen problematische Zeiten.
Die AfD wettert gegen „die Propagandaknechte in Presse und Medien“
Auch wenn der AfD-Wahlsieger in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, nach Schließung der Wahllokale Gesprächsangebote an alle Seiten gemacht hat, sollte nicht vergessen werden, mit welcher Position die AfD auf Stimmenfang gegangen ist: AfD-Landeschef Martin Reichardt wetterte noch beim Landesparteitag in Magdeburg auf offener Bühne gegen „die Propagandaknechte in Presse und Medien“ und kündigte den „linken Lohnknechten in Redaktionsstuben“ den Kampf an.
„Demokratie braucht viele Stimmen“ - auch um den Extremisten und Radikalen die Stirn zu bieten. Die Aktionswoche werden wir deshalb täglich mit Beiträgen begleiten, die unter diesem Motto stehen.


1 Kommentar
PLZ91207
„Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazu gehört.“ Hans-Joachim Friedrichs 1995. Ein Zitat aus einer früheren Epoche, Herr Husarek und die NN/NZ sind parteipolitisch so links, dass es schmerzt..... Die Arroganz zu behaupten, dass der Leser erst die Filterung durch den "Qualitätsjournalisten" benötigt ist schon abenteuerlich. Früher nannte man das Zensur, ich nenne es "betreutes Denken"
16.09.2026 18:02 Uhr