Nürnberg - Die AfD triumphiert, die CDU fuhr eine krachende Niederlage ein. Wie reagiert die Union darauf? Immer deutlicher zeigt sich: Friedrich Merz wird zur Belastung für die Partei. Seine Zeit läuft ab, kommentiert Alexander Jungkunz.
07.09.2026 15:20 Uhr

Eine rechtsradikale Partei ist dabei, Regierungsmacht in einem Bundesland zu übernehmen - erstmals überhaupt in der Geschichte des Landes: Diese Wahl ist, da sind sich alle einig, eine tiefe Zäsur. Wenn das aber so ist - dann sind Konsequenzen aus dieser Zäsur notwendig. Dann kann keine Partei danach so weitermachen wie zuvor. Nicht einmal die AfD.

Sie kommt in eine neue Situation: Sie muss/kann/darf vermutlich regieren. Ist sie dazu in der Lage? Selbst in der AfD selbst gibt es Zweifel. Lautstark dagegen sein: Das reicht dann nicht mehr.

Überläufer der CDU würden die Zerreißprobe der Partei verschärfen

Aber zunächst braucht die AfD die Stimmen, die ihr fehlen. Die könnten vom BSW kommen - ein unsicherer Kantonist. Oder von CDU-Überläufern - durchaus denkbar in diesem konservativen Landesverband, wo es Kritik an der Brandmauer gab.

Das allerdings würde die Zerreißprobe der CDU verschärfen. Denn sie kann - das hat Friedrich Merz nun noch einmal klar benannt - mit der AfD in ihrer jetzigen Form nicht zusammenarbeiten: Die Rechtspopulisten greifen zentrale Werte der Union an - die Westbindung samt Distanz zu Russland unter Putin, die EU und den Euro, das christliche Weltbild. Schnittmengen sind da kaum in Sicht.

Was immer unübersehbarer wird: Der Kanzler hilft seiner Partei nicht, er schadet ihr. Nur neun Prozent der Wähler in Sachsen-Anhalt waren mit Merz zufrieden - ein desaströser Wert. Er war tatsächlich der beste Wahlhelfer der AfD. Kaum ein Auftritt, an dem er nicht in ein Fettnäpfchen tritt. Ihm fehlt die Gabe, emotional auf Menschen zuzugehen, jede Empathie. Stattdessen doziert, belehrt, mahnt und tadelt er die Bürger.

Hat er nun verstanden? Selbst dann wären Zweifel erlaubt, ob Merz noch der richtige ist, um die CDU vor der Zerstörung zu retten - die ein offen erklärtes Ziel der AfD ist. Spätestens nach Runde zwei der Herbst-Wahlen, nach den Abstimmungen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern, dürfte der Druck auf Merz immens werden. Markus Söder dürfte insgeheim immer noch hoffen, als Krisenmanager gerufen zu werden - neben Hendrik Wüst in NRW, der allerdings selbst eine Wahl vor sich hat, ist er der einzige, der als Nachfolger in Frage käme.

Söder und Merz haben die Lebensgefahr erkannt, die ihren Parteien droht

Söder und Merz machten nach dem Wahl-Schock klar: Sie haben die Lebensgefahr erkannt, die ihren Parteien droht. Ob da allerdings besseres Erklären von Reformen ausreicht, wie der Kanzler es ankündigte? Dringlicher wäre ein Abklopfen dieser Reformen auf das Durchsetzbare und Sinnvolle - das etwa bei der von Experten kritisierten Krankschreibung ab dem ersten Tag nicht erkennbar ist.

SPD, Grüne und Linke haben übrigens keinerlei Grund zur Erleichterung, weil sie nicht so einbrachen wie die CDU. Der nun erfolgreiche Frontalangriff der AfD gilt auch ihnen. Wer den Schuss jetzt nicht gehört hat, ist taub und blind. Wer ihn gehört hat, muss mit aller Kraft, Emotion und Leidenschaft daran arbeiten, dass es nur ein Warnschuss bleibt, der erschlaffte Demokraten endlich aufweckt.