Nürnberg - Extreme Hitze, dann die ersten Unwetter - die Klimakrise macht sich nicht nur beim Wetter bemerkbar. Wie entwickeln sich die Immobilienpreise und Mietkosten zum Beispiel bei Dachgeschosswohnungen, wenn die Sommer immer wärmer werden?
18.08.2026 08:00 Uhr

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Extreme Hitze und Unwetter belasten auch die Region, so manchen versetzt die Wettervorhersage in Alarmbereitschaft.

Laufen beim nächsten Starkregen wieder die Keller voll? Kracht uns beim nächtlichen Sturm ein großer Ast auf Balkon und Fenster? Und wie lange halte ich den Rekordhitze-Sommer noch in meiner Dachgeschosswohnung aus?

Mit den Folgen der Klimakrise kommen auch die Fragen auf, wie wir künftig wohnen sollen und wollen. Schon bald könnte das Extremwetter auch den deutschen Immobilienmarkt beeinflussen – zumindest nach einer Studie von Wuest Partner in enger Zusammenarbeit mit Climada Technologies, einer Ausgründung der Eidgenössische Technische Hochschule Zürich. „Häufigkeit und Intensität von Extremwetterereignissen nehmen zu und können den Wert von Immobilien erheblich mindern – mit potenziell gravierenden Folgen für Eigentümer, Investierende und Finanzinstitute“, so Senior Climate Risk and Sustainability Analyst Katharina Heitmann. Die Studie hat 23 Millionen Gebäude untersucht und zeigt: Bis 2050 könnten bis zu 68 Prozent einem hohen Hitzestress ausgesetzt sein. Besonders im Fokus sind dabei Immobilien im Süden und in der Mitte Deutschlands sowie dicht bebaute urbane Räume.

Auch Starkregen entwickelt sich immer weiter zum Risikofaktor, je nach Region natürlich unterschiedlich stark. Weil wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, werden Niederschläge intensiver. Bis 2050 könnte der Anteil gefährdeter Gebäude von - Stand heute - rund 0,4 Prozent auf über zehn Prozent steigen. Vor allem in Süddeutschland und den Mittelgebirgen ist das Risiko hoch.

Heftiges Unwetter trifft Mittelfranken: Massiver S
<p>Erst im Juli 2026 haben Unwetter und Starkregen auch Teile Mittelfrankens getroffen, besonders stark auch den Nürnberger Norden. Wenn das Haus am Hang gelegen ist, können Wassermassen in wenigen Minuten große Schäden anrichten. </p> © NEWS5

Individuelle Risikoabwägungen gewinnen für Investitions- und Standortentscheidungen zunehmend an Bedeutung. „Wer heute in Immobilien investiert oder Bestände steuert, muss die zukünftige Klimaresilienz eines Standorts stärker berücksichtigen als bisher“, sagt Michael Heigl, Director bei Wüest Partner. Und weiter: „Wer physische Klimarisiken frühzeitig analysiert und geeignete Anpassungsmaßnahmen ergreift, kann zur Widerstandsfähigkeit und zum Werterhalt des Gebäudebestands beitragen“, sagt Heigl.

Das gilt nicht nur für die Lage, sondern auch für die Art der Immobilie. Das zeigt sich auch schon jetzt bei Miet- und Kaufinteressenten. Hitzewellen sorgen dafür, dass die Nachfrage auf Dachwohnungen sinkt. Das zeigt eine Analyse des Portals „Immoscout 24“ aus dem Jahr 2025.

Dachwohnungen werden beim Wohnungskauf 24 Prozent weniger angefragt als Etagen- und Erdgeschosswohnungen, bei Mietwohnungen sind es sogar 33 Prozent. Demnach sinken auch Kaufpreis und Miete. Für Mietwohnungen im Dachgeschoss fällt die Miete 5 bis 8 Prozent günstiger aus im Vergleich zu Mietwohnungen auf anderen Etagen. Dachgeschosswohnungen mit Dachschrägen bringen aber bekanntermaßen auch bei der Einrichtung Herausforderungen mit sich. Entscheidend in der Analyse war: die Nachfrage war höher, wenn die Dachgeschosswohnungen eine entsprechende Schutzausstattung hatten – etwa eine Klimaanlage, Rollläden oder einer Wärmedämmung.

Gut ausgerüstete Dachgeschosswohnungen können Immoscout zufolge sogar höhere Preise und Mieten erzielen. In nachfragestarken Regionen sind sie sowohl zur Miete als auch zum Kauf etwa 3 Prozent teurer als vergleichbare Wohnungen in anderen Geschossen. Der Grund: Mieter profitieren vom Ausblick und der Lage, während die Temperaturen auf einem angenehmen Niveau bleiben.

Auch die Wissenschaftlerin und Architektin Xiaping Xie von der Technischen Universität Dresden betont gegenüber dem MDR, dass Hitze nicht in jeder Dachgeschosswohnung zum Problem werden muss. „Wenn wir eine sehr gute Dachdämmung und einen außenliegenden Sonnenschutz haben, können wir in der Nacht und am frühen Morgen die komplette Dachgeschosswohnung intensiv querlüften.“

Die kühle Luft lasse sich so in der Wohnung auch über den Tag erhalten. Diese passive Kühlung ist Xie zufolge möglich, weil die Temperatur in Deutschland bisher selbst an sehr heißen Tagen nachts deutlich absinke.

„Wir müssen das Kühlen von Beginn an integrieren, sowohl beim Gebäudedesign als auch bei der Energieversorgung. Und auch auf der Ebene von Städtebau und Stadtplanung muss die Kühlung ab jetzt viel mehr in den Fokus rücken“, fordert die Wissenschaftlerin. Das könne nur gelingen, wenn Politiker, Ingenieure, aber auch jeder Einzelne bereit sei, umzudenken.


Rekordhitze seit Klimakrise

Die Zahl heißer Tage mit über 30 Grad lag nach DWD-Daten von 1963 bis 1992 bei 4,5 Tagen pro Jahr. In der Zeit von 1993 bis 2022 hat sich diese auf 9,1 verdoppelt. Das bisherige Rekordjahr ist 2018 mit mehr als 20 Tagen. Im 21. Jahrhundert gab es im Juli und August 2003, 2015, 2019 und 2022 mehrmals Temperaturen über 40 Grad. Zum Vergleich: Im 20. Jahrhundert wurden 40 Grad in Deutschland nur einmal überschritten und zwar am 27. Juli 1983.