Nürnberg - Man müsse mit Russland verhandeln, fordern viele gerade in Deutschland immer wieder. Doch Alexander Jungkunz warnt in seinem Kommentar vor Putins Taktik, den Westen zu zermürben und zu zersetzen - die er durchaus erfolgreich betreibt.
14.08.2026 11:00 Uhr

Wir würden einen „selbstmörderischen Krieg gegen eine Atommacht herbeischreiben“ und immer massiver einen „Krieg gegen Russland“ fordern: So lautete kürzlich der Vorwurf eines Lesers, es gab ähnliche Rückmeldungen auf Kommentare, die sehr kritisch auf Putin blickten. Man müsse doch mit Russland verhandeln.

Wenn das denn so einfach ginge … Wer würde sich denn keine guten Beziehungen zu Moskau wünschen? Austausch, Handel, Reisen - alles wieder möglich: Wäre wunderbar! Russland hätte eigentlich alle Chancen, wieder ein international geachtetes, erfolgreiches Land zu werden. Doch sein Alleinherrscher geht einen anderen Weg.

Russland ähnelt dem Gefängnis, zu dem es einst Stalin gemacht hatte

Putin setzt auf die Wiederherstellung mindestens der Sowjetunion. Deshalb hat er die Ukraine überfallen, deshalb betreibt er den Krieg gegen dieses Land mit allen Mitteln. Hunderttausende von Soldaten wurden verheizt, angeblich steht nach der „Wahl“ zur Duma Mitte September eine neue Rekrutierungswelle bevor.

Wir schreiben „Wahl“ in Anführungszeichen, weil die Russen leider keine Wahl haben. Gerade erst hat Putin die letzte verbliebene Oppositionspartei Jabloko - sie stellt sich offen gegen seinen Krieg - ausschließen lassen. Leiseste Kritik an seinem Kurs ahndet er mit drakonischen Strafen, Russland ähnelt zusehends dem Gefängnis, das der wieder verehrte Stalin aus dem Imperium gemacht hatte.

Militärisch setzt Putin auf massive Gewalt. Mit Drohnen lässt er Markthändler jagen und töten, die Videos gehen um die Welt. Der Ukraine gehen die Abwehrraketen aus. Angeblich will Trump die Kontrahenten zu Verhandlungen zwingen - weil er angesichts seines Iran-Fiaskos einen Erfolg braucht vor den Vorwahlen. Man kann ihm nur Glück wünschen.

Währenddessen forciert Putin den hybriden Krieg auch gegen Deutschland. Fake News im Netz machen Stimmung gegen demokratische Parteien. Warum stützt Moskau vor allem die AfD? Ein Erfolg der russlandfreundlichen Partei würde eine Nation verunsichern, deren Regierung bisher klar die Ukraine unterstützt. Genau das will Putin stoppen.

Wer Putins Vorgehen benennt und für mehr Abwehr plädiert, wird rasch als Kriegstreiber abgestempelt

Daher auch die Sabotage-Pläne und Drohnen-Attacken. Ob der Vorfall in Leipzig Russland zuzuordnen ist, muss erst geklärt werden, liegt aber nahe. Denn so lässt sich ein Land erschüttern: Seht her, wie angreifbar ihr seid! Aber ihr müsst ja Milliarden in die Ukraine schicken statt in eure eigene Sicherheit zu investieren! Das ist das Ziel von Putins Zermürbungs-Strategie: verunsichern, Ängste schüren, Parteien stärken, die ein Ende der Ukraine-Hilfen fordern.

Wer diesen hybriden Krieg benennt und für eine möglichst gute Abwehr eintritt, den stempeln Moskaus Trolle dann sehr schnell zum „Kriegstreiber“. Putin agiert leider erfolgreich. Auch, weil liberale Staaten Meinungsvielfalt zulassen, statt sie zu bekämpfen. Putin stützt jene nationalen Autokraten, die unsere Demokratie um- und abbauen wollen. Ein Kurs, dem viele Freunde der Freiheit den Kampf ansagen - auch dieses Medienhaus.