Nürnberg - Es ist nur ein Verdacht, aber ein naheliegender: War der vereitelte Anschlag mit einer Drohnen-Bombe auf dem Flughafen Leipzig-Halle eine russische Aktion? Putin greift jedenfalls auch Deutschland seit langem an, kommentiert Alexander Jungkunz.
06.08.2026 15:12 Uhr

Wieder Leipzig, wieder wurde eine drohende Katastrophe gerade noch abgewendet - durch Zufall und Glück, nicht durch überlegene Abwehrtechnik. 2024 war das ähnlich, da entzündete sich ein vermutlich im Auftrag des Kreml deponierter Brandsatz an Bord einer DHL-Maschine noch am Boden, nicht in der Luft. Nun war die Gefahr noch größer, da eine Drohne mit einem Sprengsatz bestückt war.

Eine „neue Gefahrenqualität“ sieht nicht nur Innenminister Alexander Dobrindt. Er deutet an, „fremde Mächte“ könnten hinter dem vereitelten Anschlag stecken. Auf wen soll das sonst hindeuten als auf den Diktator im Kreml? Experten sagen: Außer Russland kommt niemand in Frage.

Sabotage, hybride Attacken, Anschlagspläne: All das läuft längst

Für „professionelle hybride Bedrohungslagen“ ist Moskau jedenfalls hinreichend bekannt. Und die jüngste Tat passt ins Muster. Russland führt, das muss nun jeder erkennen, längst einen Krieg auch gegen Deutschland, auf mehreren Ebenen. Nicht mit Panzern und Soldaten, aber digital, mit Drohnen und Sabotage. Und auch mit kriminellen Vorhaben: Gerade erst wurden Pläne Russlands für einen Anschlag auf einen deutschen Rüstungsmanager aufgedeckt.

Ebenfalls in dieser Woche wurde bekannt: Hinter Fake-News-Attacken auf zahlreiche deutsche Kommunal- und Landespolitiker in Sachsen-Anhalt, wo am 6. September gewählt wird, steckt ebenfalls Russland. Da ist von Mord, sexuellem Missbrauch und Korruption die Rede, auf Internetseiten, die aussehen wie die Auftritte seriöser Medien. Nur AfD und BSW bleiben von der Kampagne verschont - Parteien, die enge Kontakte mit Moskau pflegen und Unterstützung für die Ukraine ablehnen.

Gleichzeitig forciert Moskau aktuell den Bombenkrieg gegen die Ukraine, mit immer härteren Attacken gegen Innenstädte und ohne Rücksicht auf Verluste. Verhandlungsbereitschaft? Wer die auf russischer Seite erkennt, hat eine blühende Fantasie. Besser ist es, auf Kenner Putins zu hören. Rüdiger von Fritsch, von 2014 bis 2019 Botschafter in Moskau, sagte kürzlich, Putins Logik „kennt nur Macht, Dominanz, Respekt. Kompromisse und Frieden sind keine Worte in diesem Denken, das um eine Verschwörung gegen ihn und sein Land kreist. Immerzu geht es gegen Russland, gegen ihn.“ Eine Manie, die Putin Krieg führen lässt - auch gegen uns.

Ist das Staatsterrorismus? Das muss nach der Beinahe-Katastrophe von Leipzig geklärt werden. Auf politischer Ebene sind Nato-Konsultationen angebracht - gemäß Artikel 4 des Nato-Vertrags, der greift, wenn die territoriale Unversehrtheit, die politische Unabhängigkeit oder die Sicherheit eines der Verbündeten bedroht ist. Das wäre eine Botschaft an Moskau, Grenzen nicht weiter zu überschreiten.

Auch eine aus dem Ruder laufende KI zwingt zu massiver technischer Aufrüstung

Zugleich braucht es eine massive technische Aufrüstung - gegen Drohnen und auch gegen andere Attacken auf kritische Infrastruktur. Die jüngsten Übergriffe einer außer Kontrolle geratenen KI erhöhen da nochmals den Handlungsdruck. Wir müssen uns besser rüsten vor längst laufenden Attacken.