
Die Pläne sind seit vielen Jahren umstritten, kürzlich aber gab der Fürther Stadtrat grünes Licht für neuen Wohnraum im Fürther Stadtwald: Die städtische WBG (Wohnungsbaugesellschaft) will das ehemalige Waldheim Sonnenland, eine einstige Erholungsstätte, umbauen - geplant sind höherpreisige Eigentumswohnungen, für die dann Käufer gesucht werden. Erneut warnt nun der Fürther Bund Naturschutz (BN) vor dem Schritt und fordert einen Planungsstopp.
Es sei „weiterhin inakzeptabel, ein Grundstück mitten im Stadtwald neu zu bebauen“, heißt es in einem Schreiben der Naturschützer mit dem Titel „Stadtwald und Waldheim Sonnenland nicht privatisieren“. Seinen neuerlichen Protest hat der BN in die Kampagne „Hände weg von der Natur“ eingebettet, bei der auf die Zerstörung von schützenswerten Lebensräumen hingewiesen wird.
Wohnungen im früheren Waldheim Sonnenland im Fürther Stadtwald: Der BN warnt
Das Areal, das in den 60ern als Schullandheim und Erholungsstätte diente, später dann als Langzeitwohnheim für psychisch kranke Menschen, ist seit 2018 ungenutzt. Es liegt umgeben von Bäumen im Fürther Stadtwald, nahe dem ehemaligen Waldkrankenhaus, das bereits 2002/2003 unter dem Namen „Wohnen im Ludwigspark“ umgebaut wurde - entstanden sind großzügige, teure Wohnungen. „Der BN sowie auch andere Gruppen wollen keinen weiteren Verkauf von städtischem Eigentum mitten im schützenswerten Fürther Stadtwald“, heißt es in der aktuellen Pressemitteilung.
Die Entscheidung über das Waldheim Sonnenland hatte der Stadtrat nach Protesten 2021 zurückgestellt. Zuvor hatte ein neu gegründetes Bündnis der Stadtspitze rund 1200 Unterschriften gegen eine sogenannte Privatisierung des Grundstücks übergeben. Die nun fortgesetzten Planungen „entsprechen keinen neuen Erkenntnissen der Städteplanung“, erklärt der Bund Naturschutz. Er spricht von einer „Edel-Immobilie“, die hier in idyllischer Lage, dicht umschlossen von Bannwald, entstehen soll. Dafür müssten naturnahe Flächen, Bäume und Sträucher fallen. „Das sensible Umfeld würde schon in der Bauphase stark in Mitleidenschaft gezogen werden“, warnen die Umweltschützer. So hätten etwa Zauneidechsen, als streng geschützte Art, nach einer Umsiedlung zwischen Parkplätzen und Zugangswegen keine Überlebenschance.
Zusätzlich berufen sich die Naturschützer auf die jüngst veröffentlichte Fürther Stadtklimaanalyse. Dem Stadtwald werde darin auch im Bereich des Waldheims ein hoher Schutzbedarf zugeordnet, er trage in heißen Sommern wesentlich zur Abkühlung der Stadt bei.
Dazu komme die steigende Waldbrandgefahr: In den vergangenen Jahren hätten die Zeiträume mit der höchsten oder zweithöchsten Waldbrandstufe stark zugenommen, so der BN. Menschen mitten im Wald anzusiedeln, sei daher keine gute Idee. Außerdem könnten Bewohner durch weggeworfene Zigarettenkippen oder Grillen zur Brandgefahr beitragen, befürchtet die Kreisgruppe.
Bund Naturschutz kritisiert: Alternativen wurden nicht ernsthaft geprüft
Und das ist noch nicht alles: Schon 2020 hatte sie kritisiert, dass es dem ursprünglich gemeinnützigen Gedanken des Areals widerspreche, wenn das Gelände über die städtische WBG quasi privatisiert werde. Wie jüngst die Grünen im Bauausschuss konstatiert der BN: Leider seien die vergangenen Jahre nicht ernsthaft dazu genutzt worden, um andere Nutzungsmöglichkeiten zu prüfen. „Keine verträgliche Alternative“ – etwa ein Waldkindergarten oder eine Umweltstation – sei von städtischer Seite unterstützt worden. Die Stadtspitze wiederum hatte im Ausschuss erklärt, dass etwa der Hol- und Bringverkehr so einer Einrichtung im Wald schwierig sei.
Der Stadtrat hat in seiner jüngsten Sitzung den Bebauungsplan auf den Weg gebracht, um eine Wohnnutzung zu ermöglichen. Der BN erinnert mit Verweis auf die Regierung von Mittelfranken daran, dass für eine private Wohnnutzung des ehemaligen Waldheims Sonnenland auch der Flächennutzungsplan geändert werden müsse.


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