
Die WM ist eine Woche vorbei, bleiben wir bei Fußball-Bildern: Es gab exakt getimte Einwechslungen während des Turniers. Gute Trainer wussten genau, wann und warum sie starke Spieler erst spät ins Spiel brachten - weil die dann ihrem Team neuen Schwung gaben und oft entscheidende Tore erzielten. Echte Joker, perfekte Wechsel, alles richtig gemacht.
So kann das auch bei politischen Wechseln funktionieren. Etliche Kanzler nutzten solche meist durch Rücktritte erzwungenen Neuaufstellungen zu klugen Revirements, machten ihr Kabinett stärker, indem sie Schwachstellen besser besetzten.
Unverständliche und absolut unprofessionelle Fehler
Zunächst sah es so aus, als gelänge dies auch Friedrich Merz: Nach dem unausweichlichen Rücktritt von Jens Spahn stellte er rasch die Weichen für Wechsel, die sinnvoll schienen. Wie ein guter Coach. Doch dann beging er unverständliche und absolut unprofessionelle Fehler.
Er teilte einem Spieler mit, dass er ihn vom Platz holen werde, weil nicht nur ihm seine Leistung nicht genüge - Verkehrsminister Patrick Schnieder. Dafür wollte er den Finanzpolitiker Fritz Güntzler einwechseln. Der sagte erst zu, überlegte es sich dann anders und gab dem Kanzler einen Korb. Nebenbei: Was für ein Verantwortungsgefühl hat so ein Mann, der hin- und herlaviert und damit den Regierungschef in eine hochnotpeinliche Lage bringt? Vermutlich ist es da besser, dass Güntzler nicht Minister wird.
Noch dazu der für die Bahn zuständige Minister. Schnieder mag kaum Fehler gemacht haben, seine Getreuen beklagen nun den ruppigen Umgang des CDU-Chefs mit ihm - doch der agierte, wie es in solchen Fällen oft heißt: glücklos. Es gelang ihm nicht, die Bahn technisch wie emotional in Fahrt zu bringen. Ihr immer noch zu oft marode Zustand ist aber Deutschlands größte Reform-Baustelle - und der Umgang mit ihr sagt viel aus über die Lage des Landes wie auch der Regierung.
Dass nun aber jede Menge CDU-Politiker offen und ohne jede Hemmung ihren Parteichef attackieren, das zeigt zweierlei. Zum einen: Merz ist ja selbst verantwortlich für das Desaster. Hätte er diese Personalie gelöst und dann erst Schnieder informiert - dann hätte das ein perfekter Wechsel werden können. So aber leistete sich der Chef des Kabinetts ein kapitales Eigentor: Schnieder ist nicht nur beschädigt, sondern erledigt, Güntzler hat das für sich selbst getan - und Merz belegte einmal wieder, dass er zu oft Impulsen folgt, bevor Dinge wirklich geklärt sind.
Merz macht selbst Parteifreunde zu Feinden, das ist höchst gefährlich
Die anschwellende Kanzler-Schelte aus den eigenen Reihen ist das letzte, was Merz und die CDU vor den Landtagswahlen im Osten brauchen. Die Kritik zeigt zum zweiten auch, wie gering der Rückhalt für und auch der Respekt vor dem Kanzler mittlerweile ist. Die Zweifel an ihm wachsen - nicht nur bei seinen Gegnern oder beim wegen der eigenen Schwäche erstaunlich ruhigen Koalitionspartner SPD. Sondern auch bei Parteifreunden. Und von denen macht sich Merz ohne Not immer mehr zu Feinden.

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