
Nach Jens Spahns Abgang musste es schnell gehen. Denn unbesetzte Schlüsselpositionen wären für Kanzler Friedrich Merz gefährlich. In der CDU rumort es ohnehin, noch dazu stehen im Osten bald entscheidende Landtagswahlen an. Merz hat tatsächlich rasch einige offene Posten besetzt. Und will wohl noch weitere Umbesetzungen vornehmen, unter anderem den Verkehrsminister austauschen. Genau hier fangen die Probleme an: Denn der CDU-Chef hat es nicht geschafft, alle Jobs auf einmal neu zu vergeben, stattdessen bleiben nun verletzte Eitelkeiten in den eigenen Reihen zurück.
Dabei hatte Merz jene Entschlossenheit demonstrieren wollen, die ihm - er ist laut Umfragen der unbeliebteste Regierungschef, den die Bundesrepublik je hatte - bisher kaum attestiert wurde. Friedrich Merz, der Entschlossene - mit diesem Narrativ hätte der Sauerländer in den Sommerurlaub gehen wollen. Nun muss er erstmal nachsitzen und einen Bundesverkehrsminister suchen, weitere Entlassungen im Kabinett sind nicht auszuschließen. Darüber wird zum Schaden der noch amtierenden Kabinettsmitglieder öffentlich debattiert.
Der erste große Umbau im Kabinett von Kanzler Merz
Merz läuft somit Gefahr, den positiven Effekt seiner Umbesetzungen von störenden Nebengeräuschen überlagern zu lassen. Denn drei seiner Entscheidungen sind durchaus nachvollziehbar: Thorsten Frei, der Jens Spahn nachfolgt, ist ein verlässlicher, in der Unions-Fraktion bestens vernetzter und hoch angesehener Politiker. Das gilt auch für Freis Nachfolgerin im Kanzleramt: Die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken hat sich bei der Gesundheitsreform, vom Einknicken gegenüber der Pharma-Lobby abgesehen, als äußerst resilient erwiesen.
Sie wird als erste Frau die Scharnierstelle zwischen Kanzler und den Ressorts managen dürfen. Was für Warken spricht: Sie ist uneitel, kann im Hintergrund agieren. Diese Zurückhaltung unterscheidet sie wohltuend von vielen ihrer männlichen Kollegen.
Womit wir bei Carsten Linnemann angelangt wären. Dessen Jobprofil als CDU-Generalsekretär bestand darin, keinem Mikrofon auszuweichen. Ob er sich rasch in die Untiefen der Gesundheitspolitik einarbeiten kann, ist fraglich. Er ist die riskanteste Personalie. Linnemann muss nun liefern und beweisen, dass Ideen, etwa die Zahl der Krankenkassen drastisch zu verkleinern, auch umsetzbar sind.
Jenseits der Risiken kann eine solche Rochade einer Regierung Kraft verleihen. Durch Merz‘ Ankündigung „weitere Veränderungen“ werden folgen, verpufft dieser Effekt fast vollends. Stattdessen schießen Spekulationen ins Kraut, wer dem CDU-Vorsitzenden etwa bei der Neubesetzung des Verkehrsressorts einen Korb gab. Und wer noch gehen muss. Merz muss aufpassen, denn es steht viel auf dem Spiel. Der von drei Wahlen geprägte Herbst wird politisch heiß - umso wichtiger wäre es für die CDU, kühlen Kopf zu bewahren und sehr rasch die nächsten Personalien zu klären. Ansonsten würde es heißen: Merz, der Unentschlossene.

1 Kommentar
WRDM
Diese Unruhe hat lange gefehlt. Jens Spahn hat die Möglichkeit geschaffen: wer nicht liefert muss gehen.
25.07.2026 07:39 Uhr