Nürnberg - Die Regierung will das Wohngeld kürzen und unternimmt gleichzeitig nichts gegen steigende Mieten. Dadurch lässt sie Menschen doppelt im Stich. Warum das Wohngeld kein gutes Konzept ist und trotzdem wichtig bleibt, kommentiert Antonia Haberberger.
23.07.2026 18:02 Uhr

Die Regierung will die Ausgaben für das Wohngeld massiv kürzen: Und in der Tat ist das Wohngeld keine Lösung, sondern lediglich ein Pflaster auf die sozialen Folgen der Wohnungskrise.

Denn es profitieren nicht nur die, für die die Leistung gedacht ist: Berechtigt sind diejenigen, die zu viel verdienen, um Grundsicherung zu bekommen, aber zu wenig, um ihre Miete zu bezahlen. Für Einkommen und Miethöhe gibt es dabei feste Grenzen. Dies entlastet die Mieterinnen und Mieter - aber eben auch die Vermieter, auf deren Konto das Geld am Ende landet. Denn der Anreiz, die Miete zu senken, fällt gering aus, wenn die Zahlungsfähigkeit der Menschen mit staatlichen Mitteln künstlich erhöht wird. Die Wohnungssuchenden werden finanziell in die Lage versetzt, auch mehr Miete zu zahlen, als sie normalerweise könnten. Wohngeld ist damit auch eine Subvention für Vermieter.

In Nürnberg wurden im Jahr 2025 über vier Millionen Euro an Wohngeld ausgezahlt, weil die Mieten so hoch waren, dass die Menschen sie nicht aus eigener Kraft zahlen konnten. Gäbe es genug bezahlbaren Wohnraum, bräuchte es diese vier Millionen nicht.

Wohngeld hat dennoch eine immense sozialpolitische Wirkung. Es verhindert Armut und hilft vor allem Familien. Dies bestätigt eine Erhebung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands, der das Wohngeld als eine „unverzichtbare Säule der sozialen Sicherung“ bezeichnet. Wohngeld löst jedoch kein einziges strukturelles Problem des Wohnungsmarkts. Die Mieten steigen weiter, bezahlbarer Wohnraum entsteht dadurch nicht. Und der Staat finanziert ein System mit, in das er eigentlich korrigierend eingreifen sollte.

Wohngeld zu kürzen ist falsch, dennoch sollte das Konzept nur eine Notlösung sein

In Nürnberg zeigt sich besonders deutlich, wie widersprüchlich die derzeitige Wohnpolitik ist. In der Stadt gilt die Mietpreisbremse: Bei Neuvermietungen darf die Miete höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Auf dem Papier klingt das nach Schutz für Mieter, in der Realität bleibt die Durchsetzung Privatsache. Wer glaubt, dass seine Miete zu hoch ist, muss selbst gegen den Vermieter vorgehen, ohne Unterstützung der Stadt. Denn genau die Stelle, die Menschen dabei half, ihre Rechte gegenüber Vermietern durchzusetzen, wurde 2022 gestrichen.

Das Wohngeld zu kürzen, ist dennoch falsch - damit lässt die Regierung die Menschen im Stich, die auf sie angewiesen sind. Gleichzeitig löst das Wohngeld keine Wohnungskrise. Dabei ließen sich Antworten auf diese Krise durchaus finden: mehr Anstrengungen für Neubau, die Nutzung von Leerstand - denn den gibt es erstaunlicherweise auch in Ballungszentren - und ein Stopp der Entwicklung, dass Jahr für Jahr Tausende Sozialwohnungen verloren gehen. In den vergangenen 25 Jahren hat sich deren Zahl in Nürnberg halbiert - und nicht nur dort.