Berlin - Die Opfer der RAF sollen ein Mahnmal erhalten. Harald Baumer bezeichnet das in seinem Kommentar als wichtig - unter anderem auch für diejenigen, die den Linksterrorismus gar nicht mehr selbst miterlebt haben.
16.07.2026 15:06 Uhr

Zugegeben, im ersten Moment könnte man sich denken: Braucht es das auch noch? Deutschland hat - aus gutem Grund - zahlreiche historische Gedenkstätten und Erinnerungsorte für Opfer von Gewalt, vor allem die Zeit des Nationalsozialismus betreffend. Und nun kommt noch eine weitere, zeitlich bei uns liegende Gruppe von Opfern ins Gespräch: die von der RAF (Rote Armee Fraktion) Getöteten und Verletzten. Die Linksterroristen haben 34 Morde und zahlreiche Anschläge auf dem Gewissen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann regte vor Kurzem die Errichtung eines Mahnmals an. Anlass dafür war der 40. Jahrestag des Attentats auf den Siemens-Forschungsleiter Karl Heinz Beckurts in Straßlach bei München. Er war zusammen mit seinem Fahrer bei einem Bombenanschlag getötet worden.

Der RAF-Terrorismus hat rund 20 Jahre lang unermessliches Leid verursacht

Die Terrororganisation hat mit höchster Brutalität rund 20 Jahre lang unendliches Leid verursacht. Bei denen, die ihr unmittelbar zum Opfer fielen, aber auch bei den Familien und Freunden. Alleine das wäre schon Grund genug, für einen würdigen Erinnerungsort zu sorgen. Die Töchter und Söhne einiger Getöteter sprachen zu Recht vor Kurzem davon, ihre Väter seien „Märtyrer der Bundesrepublik“.

Das Mahnmal sollte aber auch eine Botschaft für die nachfolgenden Generationen sein. Wozu politische Verblendung führen kann, wie jede Menschlichkeit dabei verloren geht und wie Verbrecher in ihrer Szene sogar einen Kultstatus erlangen. All das ist am Beispiel der RAF zu studieren. Leider auch, wie unbelehrbar etliche der Täter bis ins höhere Alter bleiben, selbst wenn ihnen im Strafprozess das Elend vor Augen geführt wurde, für das sie verantwortlich sind.

Ein Beispiel ist es die gerade erst wegen besonders schweren Raubes, erpresserischen Menschenraubes und anderer Delikte zu 13 Jahren Freiheitsstrafe (noch nicht rechtskräftig) verurteilte Daniela Klatte. Sie ließ in der Verhandlung kaum Reue erkennen und gab stattdessen weitschweifige Erklärungen zu ihrer Biografie ab, was in der Aussage gipfelte, sie habe bis zu ihrer Festnahme „ein erfülltes Leben“ geführt.

Von der Entscheidung für ein Mahnmal bis zu dessen Umsetzung ist es ein weiter Weg. Finanzierung, Ort und vor allem die künstlerische Ausführung müssen ausführlich diskutiert werden, am besten nicht nur von der Politik, sondern auch unter Beteiligung der Angehörigen und von Zeitgeschichtlern.

An das Mahnmal ist ein hoher inhaltlicher und ästhetischer Anspruch anzulegen

Denn eines bringt wenig: ein mal eben schnell beschlossener Gedenkort, dessen Botschaft sich den Nachgeborenen nicht erschließt. Das erlebt man leider immer wieder. An das Mahnmal ist deswegen ein hoher inhaltlicher und ästhetischer Anspruch anzulegen. Das ist Deutschland denen schuldig, die zu Opfern der RAF wurden, darunter ein Gerichtspräsident, ein Generalbundesanwalt, hochrangige Manager sowie viele, viele Polizeibeamte, Fahrer und Justizbedienstete.