
Ein "Meisterstück" sei die Enttarnung der RAF-Terroristin Daniela Klette gewesen, jubelte Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens - ihr Bundesland ist federführend bei dieser Fahndung - nach der Festnahme der 65-Jährigen in Berlin. Na ja. Ein toller Erfolg war das nicht, wenn man genauer hinsieht, wie er zustande kam.
Jahrzehntelang mühten sich viele Ermittler nämlich vergeblich, den so genannten "RAF-Rentnern" der dritten Generation dieser Terror-Organisation auf die Spur zu kommen. Neben Klette sind das Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg, die nun doch nicht gefasst wurden. Und dass Klette enttarnt wurde, lag an der halbstündigen Recherche eines Fachmanns in Sachen Gesichtserkennung, nicht an den Fahndern.
"taz": Staat soll RAF-Rentnern "die Hand reichen" - geht's noch?
"RAF-Rentner": Das klingt so harmlos. Und manche Einschätzungen darüber, wie denn mit den dreien umzugehen ist, lassen einen staunen. Der Staat hätte ihnen "längst die Hand reichen können", zeige aber "Härte statt Vernunft", kommentierte die linksalternative "taz". Dass in der Wohnung Klettes ein staatliches Waffenarsenal gefunden wurde, spricht gegen eine Läuterung von Verbrechern, denen mehrfacher versuchter Mord, Sprengstoffanschläge sowie etliche Raubüberfälle vorgeworfen werden.
Vor allem eine Tatsache aber verbietet jede Art von "Deals": das dröhnende Schweigen aller RAF-Mitglieder, die je in Haft kamen. Auch Klette sagte bisher: nichts. Da herrscht ein Corpsgeist innerhalb der verbliebenen Überlebenden dieser Organisation, die vor allem in den 1970er und 1980er Jahren die Bundesrepublik phasenweise in Angst und Schrecken versetzte.
Eine "bleierne Zeit": Die Regisseurin Margarethe von Trotta wollte mit diesem Hölderlin-Zitat zwar die 1950er Jahre bezeichnen, in denen die ideologischen Wurzeln der RAF entstanden - Auflehnung gegen einen Staat, in dem frühere Nazis auf vielen Posten saßen. Doch der Begriff wurde dann zum Synonym für die Jahre des Terrors - mit viel verschossenem, in 34 Fällen tödlichem Blei. Nur einer dieser RAF-Morde ist vollständig aufgeklärt, bei allen anderen ist offen, wer die Taten verübte und plante - wegen des Schweigens der RAF. Die hat, so ein anderer "taz"-Kommentar treffend, "nichts hinterlassen außer Verzweiflung, Tod und kryptischen Texten".
Ein Mahnmal für die NSU-Opfer - und die der RAF
Michael Buback, der Sohn des von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, beklagt: "Die Erinnerung an die RAF spielt keine besondere Rolle im kollektiven Gedächtnis." Bayerns Innenminister Joachim Herrmann regt ein Mahnmal für die RAF-Opfer an - das ist ebenso sinnvoll wie das nun geplante Erinnern an den neonazistischen NSU und seine Morde. Wie es aussieht, muss dies in beiden Fällen ohne jede Mitwirkung der Täterinnen und Täter geschehen. Notwendig bleibt Erinnerung und Aufarbeitung dieser dunklen Kapitel der Geschichte.


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