München - Plötzlich wurde der Landtag zum Klassenzimmer. Jugendliche fingen im Juni Abgeordnete ab und stellten ihnen Schulfragen. Damit wollten sie zeigen: So eine unangekündigte Abfrage fühlt sich nicht gut an. Jetzt werden die Videos veröffentlicht.
08.07.2026 13:55 Uhr

Bayerns Schülerinnen und Schüler lassen nicht locker: Vor einem Jahr wurde die von über 55.000 Menschen unterschriebene Petition gegen Abfragen und Exen vom Bildungsausschuss abgelehnt. Jetzt konfrontierten die Jugendlichen im Münchner Landtag Abgeordnete mit genau dieser Methode - und fragten sie unangekündigt in verschiedenen Fächern ab. Die entstandenen Videos werden nun nach und nach auf Instagram oder dem YouTube-Kanal der „Bayerischen Schüler*innenbewegung“ veröffentlicht.

„Nennen Sie alle Hemisphären, die wir haben“ oder „Wie nennt man die Zahl vor der Variablen in einem Term?“ - mit diesen Fragen wurden Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Familienministerin Ulrike Scharf, der ehemalige Kultusminister Michael Piazolo und andere konfrontiert. „Viele hatten echte Schwierigkeiten damit und haben gemerkt, wie unangenehm das ist. Aber so geht es uns täglich!“, sagte Laura S., eine der Schülerinnen, die die Interviews führten.

„Wollen niemanden bloßstellen“: Abfrage-Aktion soll ein Zeichen setzen für angstfreie Bildung

„Mit dieser Aktion wollten wir niemanden bloßstellen, sondern vielmehr an sie appellieren, endlich die notwendigen Weichen für eine angstfreie und zukunftsfähige Bildung zu stellen“, schreibt Amelie N. in einer Pressemitteilung. Die junge Münchnerin hatte die Petition „Schluss mit Abfragen und Exen!“ initiiert. Einen Tag nach der Abfrage-Aktion, am 18. Juni, hatte das Kultusministerium Beschlüsse zur „Weiterentwicklung der Prüfungskultur“ veröffentlicht. Die „Schüler*innenbewegung“ kritisiert, dass zwar neue Prüfungsformate wie Debatten oder Präsentationen aufgegriffen würden, weiterhin aber am System aus „Lernen im Gleichschritt, Noten, Leistungsdruck und unangekündigten Leistungsnachweisen“ festgehalten würde.

„Unter einer innovativen Reform stelle ich mir etwas anderes vor“, schreibt Amelie N.. „Aber wir lassen uns auch hiervon nicht entmutigen, im Gegenteil. Wir fordern ein Ende der unangekündigten Prüfungen als Teil einer zeitgemäßen Lernkultur – mit echter Mitbestimmung, gerechten Bedingungen für alle und modernen Lernorten statt Bildungsbunkern!“