Passau - Für Abiturientinnen und Abiturienten endet in diesem Sommer die Schulzeit, in Bayern hat der erste G9-Jahrgang die Prüfungen geschafft. Mit einer bedenklichen „Bestnotenflut“, wie der Lehrerverband moniert. Das werde Folgen haben, warnt ein Fachmann.
07.07.2026 14:31 Uhr

Die Notenschnitte der Abiturientinnen und Abiturienten sind zu gut - findet der Ehrenpräsident des Deutschen Lehrerverbands, Heinz-Peter Meidinger. „Schon jetzt reicht selbst ein bayerisches 1,0-Abitur nicht mehr aus, um über die Leistungsschiene sicher einen Medizinstudienplatz zu ergattern“, sagte er im Interview mit der Mediengruppe Bayern. „Inzwischen haben einzelne Gymnasien mehr 1,0-Abitur-Ergebnisse als vor 20 Jahren ganze Bundesländer.“

Er warnt: „Letztendlich wird dieser Weg zu einer massiven Entwertung des Abiturs und allgemeinen Hochschuleingangsprüfungen führen.“ Es werde zunehmend schwieriger, „in dieser Bestnotenflut die wirklichen Spitzenschüler zu erkennen“.

Ehrenpräsident warnt vor „Entwertung des Abiturs“

Seine Kritik ist nicht neu. Der Deutschen Presse-Agentur sagte er schon 2014 als damaliger Vorsitzender des Philologenverbands: „Die eigentlich Gelackmeierten der Bestnoten-Inflation sind die Spitzenschüler, weil deren Spitzenleistung in der Einser-Schwemme untergeht.“ Meidinger sieht einen Noten-Wettlauf zwischen den Bundesländern, der nur gestoppt werden könne, „wenn es ein bundesweit vergleichbares Abitur gibt mit gleichen Aufgabenstellungen und Bewertungskriterien“.

Damals wie heute warf er Schulpolitikern vor, Reformen wie die Verkürzung oder Verlängerung der Gymnasialzeit dafür zu nutzen, dass danach bessere Noten vergeben werden und die Reformen als Erfolg gelten. Der Gymnasiallehrer räumte allerdings ein, dass sich Schüler in manchen Bereichen auch tatsächlich verbessert hätten: „Mit meinem eigenen Schulenglisch kann ich mit heutigen Absolventen in keiner Weise mehr mithalten“, gestand er in dem aktuellen Interview ein.

Auch der bayerische Philologenverband thematisiert die zunehmende Zahl an Einser-Abis

Auch der Vorsitzende des bayerischen Philologenverbands, Michael Schwägerl, griff den verbesserten Abiturschnitt und die damit einhergehende zunehmende Zahl an Abiturienten mit 1,0 in einer Pressemitteilung auf. Diese Entwicklung sei „für die Absolventinnen und Absolventen zwar erfreulich, wirft aber zugleich verstärkt die Frage auf, wie sehr herausragende Leistungen künftig noch voneinander differenziert werden können“, sagte der Erlanger.