Nürnberg - 250 Jahre Amerika - und seine Beziehungen zu Franken: Das ist Thema unserer Sommer-Serie 2026. Wir blicken auf die Geschichte, auf berühmte Aus- und Einwanderer - ein spannendes und spannungsreiches Verhältnis, kommentiert Alexander Jungkunz.
03.07.2026 17:55 Uhr

„Wir standen vor einer Wildnis, in der kein Pfad zu sehen war. Unsere Hände, die zu Hause den Pflug oder die Webschule geführt hatten, mussten nun die schwere Axt schwingen, um dem Urwald Raum für die ersten Blockhütten abzuringen.“ So beschrieb Pastor August Crämer die Ankunft von Einwanderern aus Franken, die 1845 nach 51-tägiger Schiffspassage Amerika erreichten und dort die Gemeinde Frankenmuth gründeten - eine Kombination aus dem Namen ihrer Herkunftsregion und der Eigenschaft, die sie für das Projekt Auswanderung brauchten: Mut.

Den Franken aus dem Raum Schwabach und Roßtal ging es wie den allerersten Emigranten, die auf dem erst spät entdeckten Kontinent eine neue Heimat fanden: Sie betraten buchstäblich Neuland. Und sorgten mit vielen anderen vor allem aus Europa dafür, dass dort ein ungeheuer dynamischer, ehrgeiziger, verheißungsvoller und auch aggressiver Staat entstand: die USA, die am 4. Juli mit dem Jahrestag der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung ihren 250. Geburtstag feiern.

Amerika war für viele zunächst einmal ein Sehnsuchtsland

Amerika war zunächst einmal für viele ein Sehnsuchtsland. Die Franken flüchteten wie viele andere vor allem aus wirtschaftlicher Not, teils vor religiöser Verfolgung. Die Kartoffelkrise zwang rund zwei Millionen Iren zur Auswanderung, später folgten Südeuropäer. Dann kamen verfolgte Juden dazu - erst aus Russland, dann aus Nazi-Deutschland. Inzwischen sind es vor allem Menschen aus ärmeren Regionen Amerikas und aus Asien, die sich in den USA Chancen erhoffen.

Was Donald Trump aus diesen Hoffnungen macht, erleben wir in Form radikaler Gesetze und brutaler Einsätze. Ob er das Hoffnungsland Amerika auf Dauer beschädigen kann, ist noch offen. Seine Politik schürt mit mehr Berechtigung als zuvor Abneigung gegen die USA. Gerade die Deutschen blicken da sehr gespalten und oft arrogant auf den „großen Bruder“: Amerika-Verehrung wechselt sich ab mit Amerika-Hass. Wir schwärmen für die US-Kultur, für Rock, Pop, Kino und Coolness, den „american way of life“ - und verachten zugleich Konsum-Wahn oder die vielen Kriege, die Amerika führt(e).

Dabei hätte vor allem die Bundesrepublik ohne die Hilfe der US-Alliierten nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes niemals so schnell wieder Wohlstand und internationale Reputation erfahren. „Die Amis“ prägten als Besatzer lange Jahre das Leben nach 1945, gerade in unserer Region.

Auf diese wechselvollen Beziehungen blicken wir in unserer Sommer-Serie 2026. Auf die Zeit, als GI‘s, PX und AFN gängige Begriffe waren. Auf Auswanderer wie Loew Strauß aus Buttenheim, der als Levi den Amerikanern und der Welt in die Jeans half. Auf Phasen der Nähe und Freundschaft und kritische Zeiten, wie wir sie momentan erleben. Eines steht dabei fest: Jener Mut, den die Franken bei ihrer Auswanderung aufbrachten - er täte uns allen auch heute gut.