Nürnberg - Sie ziehen von Wohnung zu Wohnung – ohne die Absicht, je einen dafür zu bezahlen: Sogenannte Mietnomaden wirken bei der Wohnungsbesichtigung meist seriös und zuverlässig und werden erst später zum Problem für Vermieter. Wie Sie sich schützen können.
21.05.2026 10:30 Uhr

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Ruhig, ordentlich, umsichtig und zuverlässig - so wäre der Traumkandidat eines jedes Vermieters. Wenn derjenige oder diejenige dann noch plant, längere Zeit zu bleiben, umso besser.

Das andere Extrem sind sogenannte Mietnomaden. Die kosten die Vermieterseite nicht nur Geld, sondern auch viel Zeit und Energie.

Der Begriff „Mietnomade“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Menschen, die in eine Immobilie einziehen mit dem Vorsatz, dort nie Miete oder Nebenkosten zu bezahlen. Wie üblich für Nomaden, ziehen die Personen sehr oft um und hinterlassen die Wohnungen oft in einem kaputten oder dreckigen Zustand. Manche zahlen so lange die Miete nicht, bis Mahnungen kommen und verlassen die Wohnung dann kurzfristig, bevor es zur Räumung kommt. Andere erfinden schwere Krankheiten oder plötzliche Schicksalsschläge, um ausziehen zu können, ohne die Kündigungsfrist beachten zu müssen.

Bislang gibt es keine offiziellen Zahlen, schätzungsweise ziehen aktuell zwischen 10.000 und 15.000 Mietnomaden durch Deutschland und kosten Vermieter Geld und vor allem Nerven. Die müssen in einem solchen Fall mit bis zu 25.000 Euro Schaden rechnen.

Der erste Eindruck kann – wie so oft – täuschen. Professionelle Einmietbetrüger sind routiniert und treten bei der Besichtigung verlässlich, gepflegt und vertrauenswürdig auf. Einige fälschen auch Verdienstbescheinigungen, Selbstauskünfte oder Bankbürgschaften. Egal wie überzeugend sich jemand artikuliert oder wirkt: Als Vermieter oder Vermieterin sollten Sie sich nur auf vollständige Nachweise verlassen.

Wonach Sie bei der Wohnungsbesichtigung fragen sollten:

  • Der Personalausweis gibt Ihnen die Möglichkeit, den bisherigen festen Wohnsitz einzusehen und die Daten mit den der anderen Dokumente abzugleichen. So können Sie etwa gegenchecken, ob Post- und Meldeadresse übereinstimmen.

  • Die Mieterselbstauskunft gibt Hinweise auf Zahlungsfähigkeit und Zuverlässigkeit. Nutzen Sie dafür aber in jedem Fall eine juristisch geprüfte Vorlage. Die gibt es etwa bei Wohnungseigentümerverbänden oder aber Immobilienportalen. Nicht erlaubt sind Fragen zu Erkrankungen, Religionszugehörigkeit oder sexueller Orientierung.

  • Wenn jemand die Schufa-Auskunft vehement verweigert, dürfen Sie misstrauisch werden. Auch dafür gibt es online Vorlagen.

  • Sie sollten außerdem immer eine Kaution von drei Monatsmieten verlangen. Akzeptieren Sie dabei nie Bargeld. Die Kaution können Sie dann auf einem Bankkonto deponieren. Im Betrugsfall ist dann zumindest ein Teil des Schadens gedeckt.

  • Sind Sie sich auch dann noch unsicher, kann eine Vormieterbescheinigung helfen. In der bestätigt ihr Vorgänger, dass die Mietzahlungen in der vorherigen Wohnung fristgerecht gezahlt wurden.

  • Wenn Sie ganz sicher sein wollen, können Sie eine selbstschuldnerische Bürgschaft vom potentiellen Mieter verlangen.

Wichtig zu beachten: Als Vermieter haben Sie kein gesetzliches Anrecht auf die oben aufgeführten Nachweise. Bei fehlenden Dokumenten dürfen Sie Anwerber aber natürlich ablehnen und können sich stattdessen für andere Bewerber entscheiden.

Anders als viele vielleicht vermuten, suchen sich Mietnomaden gerne hochpreisige Wohnungen und Häuser aus. Durch eine geringere Auswahl an Bewerbern haben sie hier größere Chancen auf einen Mietvertrag. Auch wenn eine Immobilie länger leersteht, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, ungewollt Mietnomaden anzulocken. Einzelvermieter sind dabei mehr gefährdet als erfahrene Makler oder Großvermieter.

Es ist daher ratsam, sich einen Hausverwalter oder Immobilienmakler als Unterstützung zu suchen. Die werden von Mietnomaden meist gemieden.