
Kann man wirklich so verpeilt sein, bei einem „Pro und Contra“ zu Friedrich Merz als Bundeskanzler freiwillig das „Pro“ zu übernehmen? Wo doch unisono alle gesellschaftlichen Gruppen von früh bis spät über den Regierungschef schimpfen: Arbeitnehmer, Arbeitgeber, Sozialdemokraten, Christdemokraten, Landwirte, Autofahrer, Klimaschützer…
Ja, man kann „pro Merz“ sein. Das soll nicht heißen, dass er alles richtig macht. Er drückt sich manchmal dermaßen ungeschickt aus, dass jedem außer ihm sofort klar ist, was er nun wieder angerichtet hat. Er könnte seine Koalition aufmerksamer führen. Er tritt gegenüber den eigenen Leuten oft zu schroff auf und macht sich damit keine Freunde.
Auch ein Hendrik Wüst oder ein Markus Söder stünden vor kaum lösbaren deutschen und globalen Problemen
Aber die wahren Probleme dieser Regierung haben wenig mit dem 70-Jährigen zu tun. Es sind systemische Probleme, die jeder andere an seiner Stelle, ob nun Hendrik Wüst oder Markus Söder, ebenfalls hätte. Und die in anderer Konstellation auch ein Olaf Scholz hatte.
Die Weltordnung ist im Wanken, wirtschaftlich wie sicherheitspolitisch. Die Stichworte kennt jeder: Abschied der USA aus dem westlichen Bündnis, ein kriegslüsterner Putin, eine starke chinesische Industrie, eine Handelsblockade in der Straße von Hormus, eine alternde Bevölkerung mit allen Konsequenzen für Gesundheit und Rente. Und nicht zuletzt: ein politisches System in Deutschland, das drei Parteien mit höchst unterschiedlichen Vorstellungen zur Krisenbewältigung aneinander kettet.
Denkt wirklich jemand, ein anderer Kanzler, eine andere Koalition könnten das nachhaltig ändern und das auch noch schnell? Die Wahrheit ist: Wir stecken tief in einem Sumpf aus jahrzehntelang versäumten Reformen und und erdrückenden äußeren Faktoren.
Es ginge in gewissen Bereichen besser, als es Schwarz-Rot und Merz jetzt machen. Aber radikale Reformen lassen die Wahlergebnisse bei uns gar nicht zu. Dieses „Pro“ ist nicht das eines glühenden Merz-Verehrers, sondern das eines Menschen, der hofft, dass nicht schon die zweite Regierung nacheinander stürzt. Und der sich weigert, alle Probleme auf einer Person abzuladen. Das wäre nämlich kindisch.

3 Kommentare
Wowo
Herr Baumer nimmt besser und nachvollziehbarer zu der Thematik Stellung. Es ist die Ausgeglichenheit, die der Herr Jungkunz einfach nicht kann oder will.
17.05.2026 19:37 Uhr