Nürnberg - In den USA ist das Zeitungssterben zur alltäglichen Begleiterscheinung geworden. 40 Prozent der Titel sind bereits verschwunden. Eine Entwicklung, die auch in Deutschland alarmieren müsste, kommentiert NN-Chefredakteur Michael Husarek.
24.04.2026 14:40 Uhr

Zwei Tageszeitungen verschwinden in den USA - pro Woche! Eine unglaubliche Zahl, die den Schwund der freien Presse in den Vereinigten Staaten veranschaulicht. Die Realität ist im Übrigen noch schlimmer: Denn vielerorts wird lediglich der Schein gewahrt, indem weiter existierende Titel mit Inhalten bestückt werden, die nichts mit der jeweiligen Region zu tun haben. Dieser „Zombie-Journalismus“ ist die Konsequenz der voranschreitenden Konzentration auf dem Medienmarkt. Große Medienmogule kaufen kleine Verlage, pressen die letzten Dollar aus den Häusern und wickeln am Ende das Geschäft ab.

Die Folgen des Pressesterbens liegen auf der Hand: Zeitungswüsten ziehen geringere Wahlbeteiligung nach sich, ohne Lokalmedien steigt die Korruption, das Engagement für die Gesellschaft lässt zudem nach. Alles dokumentiert, alles seit langem bekannt - und dennoch setzt sich dieser Prozess ohne jegliche staatliche Gegenwehr fort. Kein Wunder, denn US-Präsident Donald Trump hält ohnehin nichts von unabhängiger Berichterstattung und auch vielen seiner Vorgänger war das Thema offenbar nicht wichtig genug.

Zeitungen sind systemrelevant

Nun könnte man argumentieren, dass in einer Markwirtschaft bei mangelnder Nachfrage Unternehmen sterben können und dies nichts Besonderes sei. Nur: Wir reden nicht von einer Burger-Kette, die durch andere Anbieter vom Markt verdrängt wurde, sondern von einer durchaus systemrelevanten Branche. Qualitätsjournalismus erfüllt einen wichtigen Auftrag, indem er den Menschen die Wahlentscheidung erleichtert. Nur wer sich umfassend informiert, kann am Ende entscheiden, für wen er bei Abstimmungen votiert.

Das ist in Deutschland nicht anders. Und dennoch sterben auch hier Zeitungen, schreitet die Konzentration voran und entstehen erste zeitungsfreie Kreise und Regionen. Auch hier sind die Folgen erkennbar: Wo keine Lokalredaktion mehr sitzt, steigen die Wahlergebnisse der AfD. So einfach ist das. Und die Politik? Betont stets pflichtschuldig die wichtige Rolle regionaler Medienhäuser und lässt die Branche ansonsten im Regen stehen.

Klar: Längst haben Politiker ihre eigene Senderrolle erkannt und gestärkt, hohe Social-Media-Reichweichten werden gerne als Argument genannt, dass man die Zeitungen gar nicht mehr benötige. Aus Sicht dieser Politiker mag das stimmen, aus demokratietheoretischer Sicht ist eine solche Einschätzung fatal. Zum einen ist die Social-Media-Kost inhaltlich häufig Magerkost, einseitig und ohne Tiefgang. Zum anderen wird nur ein Ausschnitt der Gesellschaft erreicht.

Medienhäuser bemühen sich durch immer ausgefeiltere Digitalstrategien Menschen auf allen Kanälen, Print, E-Paper, Onlineportale, anzusprechen. Dabei werden sie leider von den Big-Tech-Konzernen ausgebremst, die ihre mittels KI-Agenten optimierten Krakenarme über das gesamte Internet legen. Wirksame Regulierung seitens der Politik? Bislang Fehlanzeige. Deutschland nähert sich den USA.