
Manche lehnen Fleisch rigoros ab, andere können sich ein Leben ohne Grill und Burger nicht vorstellen: Kein anderes Lebensmittel polarisiert so sehr. Das weiß auch der Medienprofi und Ministerpräsident Markus Söder, der unzählige Wurstwerbeshows zur Profilierung genutzt hat.
Dabei gibt es tatsächlich gute Gründe, die gegen einen unreflektierten und allzu häufigen Fleischkonsum sprechen. Zur Wahrheit gehört aber auch: In unserer modernen Konsumgesellschaft findet sich bei fast jedem Produkt eine Schattenseite. Daher wirkt ein allgemeines Werbeverbot für jede Art von Fleisch etwas willkürlich. Wo genau verläuft denn die Grenze zwischen unbedenklichen und schädlichen Waren?
Zigaretten sind immer schädlich - beim Fleisch ist das nicht so einfach
Wenn Fleisch über lange Transportwege aus einer Massenproduktion kommt, bei der Tiere gequält und Menschen ausgebeutet werden, dann ist es wahrscheinlich nicht gesund und ganz sicher umweltschädlich. Doch ein Werbeverbot trifft ja nicht nur solche eindeutigen Fälle. Sondern auch den verantwortungsvollen Biobetrieb aus der Region. Während der große Discounter weiterhin pestizidbelastetes Billigobst bewerben darf, für dessen Anbau der Regenwald gerodet wurde.
Verbote sind scheinbar einfache Lösungen für komplizierte Themen. Doch sie sorgen leicht für Ungerechtigkeit. Und in unserer aufgeregten Gesellschaft wird eine neue Vorschrift schnell zur Munition für einen Kulturkampf verwurstet. Daher sind klare Grenzen und Gründe nötig – wie zum Beispiel beim Werbeverbot für Zigaretten. Mit diesem Produkt kann man gar nichts anderes machen, als seine Gesundheit zu schädigen. Egal in welcher Form und Menge man sie konsumiert, jede Zigarette ist Gift für den Körper.
Ein weiterer guter Grund für das Werbeverbot für Tabak ist die Tatsache, dass Nikotin sehr leicht süchtig macht. Die meisten Raucher versuchen früher oder später, davon loszukommen, und brauchen dafür viele Anläufe. Bei Fleischprodukten gibt es kein derart starkes Suchtverhalten. Sorgen könnte man sich höchstens über einen Bratwurst-Blogger aus Nürnberg machen, der für sein großes kulinarisches Engagement zeitweise sogar mehr Aufmerksamkeit bekam als für seinen Job in der Politik.

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