Nürnberg - Dass Amsterdam Werbung für Fleisch verbietet, kann niemand für schlecht halten. Ein Werbeverbot ist kein Kauf- und erst recht kein Konsumverbot, schreibt Roland Englisch in seinem Pro-Kommentar.
26.04.2026 10:00 Uhr

Bevor die Fieberkurve steigt: Ich esse Fleisch. Schon deshalb verurteile ich niemanden, der dies tut. Wovon ich mich allerdings nicht freimachen kann, ist die Frage: Was haben die Tiere durchlitten, bevor sie auf meinem Teller gelandet sind - wie schlecht muss mein Gewissen sein?

Wir brauchen Fleisch und Fisch, sie sind für unsere Gesundheit wichtig. Die entscheidende Frage ist nicht, ob ich Fleisch essen darf, sondern welches ich essen sollte. Da ist meine Präferenz klar: Es muss hochwertig sein, aus biologischer Haltung. Deshalb weniger, aber nur bestes Fleisch.

Womit wir beim Thema wären. Discounter, die öffentlich Fleisch bewerben, werben in der Regel nicht für Bio-zertifizierte Ware. Sie locken ihre Kunden mit Billigstprodukten, das Kilo für weit unter zehn Euro. Niemand kann ernsthaft glauben, dass diese Tiere jemals frische Luft geatmet oder die Sonne gesehen haben. Ihr Leben war eine Qual.

Ein Werbeverbot für Fleisch wie in Amsterdam ist kein Konsumverbot

Die Werbung suggeriert anderes. Sie unterschlägt die Umstände - sie darzustellen, wäre kontraproduktiv und raubte den Kunden die Illusion, dass sie da etwas Gutes kaufen. Sie dämpft ihr schlechtes Gewissen, zur Freude der Fleischindustrie.

Auch in den Niederlanden ist Werbung für Fleisch nicht generell verboten. Städte wie Amsterdam oder Haarlem verbannen sie lediglich aus dem öffentlichen Raum. In ihren Geschäften, ihren Prospekten und online dürfen die Händler weiter ihre Angebote unterbreiten.

Studien belegen, dass schon das ausreicht für einen leisen Sinneswandel. Werbung soll den Konsum befeuern, sie soll uns in die Irre führen. Fehlt sie, fällt die Kaufentscheidung bei vielen Menschen weniger spontan aus, besonnener, gesteuerter. Das kann niemand für schlecht halten. Ein Werbeverbot ist kein Kauf- und erst recht kein Konsumverbot. Wer will, kann sich im Laden für Billigware entscheiden, nur etwas bewusster.

Entscheidend ist, dass ein Werbeverbot nicht isoliert steht, sondern eingebettet in ein Maßnahmenpaket. Es wäre viel gewonnen, wenn endlich die Herkunft der verwendeten Produkte erkennbar wäre. Der Staat müsste sich sehr viel häufiger auf die Seite der Kunden stellen - und nicht die Hersteller schützen, die das rechtlich Mögliche exzessiv ausnutzen. Auch bei der Werbung.