
Wofür musste sich Verteidigungsminister Boris Pistorius nicht schon alles beschimpfen lassen. Etwa dafür, dass er in Übereinstimmung mit dem Kanzler die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee in Europa machen will. Dabei ist es doch die normalste Sache, dass das europäische Land mit den meisten Einwohnern und der höchsten Wirtschaftskraft, das noch dazu ohne natürlichen Schutz im Zentrum des Kontinents gelegen ist, eine Vorreiterrolle bei der Verteidigungsfähigkeit spielen muss.
Die Frage ist doch eher eine andere: Schafft es der Minister überhaupt, einen in Teilen maroden „Laden“ wie die Bundeswehr so weit zu bringen, dass er eine solche Vorreiterrolle spielen kann? Der dreistufige Plan ist ambitioniert. Er sieht einen Aufwuchs auf gut 200.000 Soldatinnen und Soldaten bis 2029 vor, einen Fähigkeitenzuwachs inklusive Weltraumaktivitäten bis 2035 und die Präsenz überlegener Streitkräfte mit KI-Unterstützung bis 2039.
Schon das Gelingen der ersten Phase des Bundeswehr-Ausbaus ist gefährdet
Schon das Gelingen der ersten Phase ist gefährdet. Nämlich in dem gar nicht unwahrscheinlichen Fall, dass sich nicht genügend junge Menschen für den Dienst bei der Bundeswehr melden. Dann wird - mit deutlich mehr Protesten, als es der Regierung recht ist - eine wie auch immer geartete Wehrpflicht eingeführt werden müssen.
Sehr lobenswert ist es, dass Boris Pistorius bei der Schilderung der Bedrohungslage eine klare Sprache spricht. Russland ist der Gegner, den wir am meisten fürchten müssen. Gar nicht mal nur wegen militärischer Angriffe auf Nato-Territorium, zum Beispiel im Baltikum. Sondern schon heute und jetzt. Putin lässt unser Land mit Drohnen ausspähen, schreckt vor Gewaltakten wie dem Einschleusen eines Brandsatzes in die Luftfracht nicht zurück und verbreitet mit verheerenden Folgen Verschwörungstheorien in den Sozialen Netzwerken.
Überfällig war es, dass der Minister die Medien an ihre Verantwortung erinnerte. Detaillierte Pläne, wie sich Deutschland im Falles eines Angriffs verteidigen würde, sind nicht ohne Grund streng geheim. Pistorius warnte Journalisten davor, sie zu veröffentlichen, falls sie in deren Besitz kämen. Sein Argument, kurz und bündig: „Sonst könnten wir Putin auch in unseren Email-Verteiler aufnehmen.“
Zum Glück muss niemand befürchten, dass Deutschland einen Angriffskrieg oder Überfall - auf wen auch immer - plant. Diese Lektion haben wir offensichtlich mit dem Ende des Nazi-Regimes gelernt. Mit unseren europäischen Nachbarn, ob Frankreich, Polen oder andere, verstehen wir uns so gut wie nie zuvor in der Geschichte.
Man kann sich ohne schlechtes Gewissen für den Ausbau der Bundeswehr aussprechen
Deswegen kann man sich, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen, unmissverständlich für einen effektiven und der Lage angemessenen Ausbau der Bundeswehr aussprechen. Wir wollen nur so wehrhaft sein, dass wir selbst nicht zum Opfer eines Aggressors werden. Wer könnte dagegen ernsthaft etwas einzuwenden haben?


4 Kommentare
edleskog
Hier wird Geld rausgeworfen, das nicht einmal vorhanden, sondern schuldenfinanziert ist. Die junge Generation bekommt einen nicht beherrschbaren Schuldenberg ungefragt aufgehalst. Die Angstmache vor einem drohenden Angriff Russlands auch auf Deutschland ist durch Fakten nicht begründbar. Russland fehlen dafür schlicht die militärischen Mittel. Milliarden in die Behebung von Ursachen in den Konfliktgebieten wie Sudan, Naher Osten etc zu investieren, wäre sinnvoller. So aber sind weitere Flüchtlingsströme zu erwarten. Sie schaffen Probleme, die durch Aufrüstung nicht zu lösen sind.
24.04.2026 08:31 Uhr