
Im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen sind die Chancen auf den Erwerb eines Eigenheims gesunken. Das Pestel-Institut hat im Auftrag der Schwäbisch Hall-Stiftung eine Untersuchung zur Situation von Wohneigentum durchgeführt. Die Analyse zeigt: Im vergangenen Jahr entstanden in dem Landkreis nur 110 Wohnungen in neu gebauten Ein- und Zweifamilienhäusern.
Das ist ein deutlicher Rückgang im Vergleich zu den Jahren 2020 bis 2022, als durchschnittlich 218 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt wurden. Nach Angaben der Schwäbisch Hall-Stiftung führt dieser Rückgang zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten. Das Pestel-Institut beziffert den Umsatzverlust für den Landkreis auf 65,3 Millionen Euro.
Matthias Günther, Chefökonom des Pestel-Instituts, betont, dass dieser Verlust in erster Linie die Bilanzen von Bauunternehmen sowie Handwerkern, Architekten und Planern trifft. Die entgangenen Einnahmen reichen vom Grundstückskauf über die handwerkliche Ausführung bis zu Außenarbeiten wie das Bepflanzen von Gärten. Besonders betroffen von der Eigenheim-Flaute sind Menschen zwischen 25 und 45 Jahren.
Mike Kammann, Vorsitzender des Kuratoriums der Schwäbisch Hall-Stiftung und Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall, warnt vor einer Entwicklung, bei der selbst bei durchschnittlichem Einkommen ein Eigenheim oft nur mit Unterstützung aus der Familie möglich ist. Er beklagt, dass sich die Chancen weiter verschärfen und dass Wohneigentum nicht zum Luxus werden darf.
Baukindergeld weg – Günther fordert Bundesprogramm gegen sinkende Eigentumsquoten in Weißenburg-Gunzenhausen
Günther kritisiert die fehlende Förderung durch den Bund. Im Gegensatz zu früheren Jahren unterstütze der Staat die Anschaffung von Wohneigentum derzeit kaum noch. Das Pestel-Institut fordert deshalb einen Wohneigentumsplan des Bundes, der auf Länderebene verbindliche Quoten für die Eigentumsquoten vorgeben soll. Gekoppelt mit gezielten Förderprogrammen sollen auch Haushalte mit mittleren Einkommen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen profitieren können.
Der Leiter des Pestel-Instituts verweist auf das frühere Baukindergeld als Beispiel für erfolgreiche Förderung. Jeder ausgegebene Förder-Euro hätte drei Euro und 70 Cent an staatlichen Einnahmen durch Umsatz-, Lohnsteuer und Grunderwerbsteuer gebracht. Die Einstellung dieses Programms sorgt nach Günthers Aussage in der Branche für Unverständnis.
Wohneigentum trägt zudem einen wesentlichen sozialen Aspekt, heißt es in einer gemeinsamen Mitteilung des Instituts und der Stiftung. Es bilde einen wichtigen Baustein der Altersvorsorge. Menschen mit mittlerem Einkommen, die im Alter keine hohen Mietausgaben tragen müssten, seien weniger von Altersarmut bedroht.
Kammann fordert den Staat auf, den Abwärtstrend beim Wohneigentum in Bayern zu stoppen und umzukehren. Mehr Eigentumsquoten würden auch den angespannten Mietmarkt entlasten und dadurch insgesamt mehr soziale Stabilität bringen. Zudem wirkt ein Mangel an Wohnraum und fehlende Eigentumsoptionen als Hindernis bei der Anwerbung von spezialisierten Fachkräften.
Pestel-Institut fordert Kurswechsel – Bayern soll zum Eigentümerland werden wie Österreich und Schweden
Das Pestel-Institut empfiehlt der Wohnungsbaupolitik, langfristig das Ziel zu verfolgen, Bayern und Deutschland mehrheitlich vom Mieter- zum Eigentümerland umzuwandeln. Eine Eigentumsquote von über 50 Prozent wie in Österreich, den Niederlanden oder Schweden würde mehr dringend benötigten Wohnraum schaffen und zusätzlich mehr soziale Sicherheit bieten.



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