
Nehmen wir an, Sie stehen in Ihrem Job in der Kritik. Der Chef einer befreundeten Firma, mit der Sie eng kooperieren, antwortet öffentlich auf die Frage, ob Sie fest im Sattel sitzen, wie folgt: „Ja, er steht zu den Reformen.“ Ist das Rückenstärkung?
Die Aussage stammt von Markus Söder und sie ist, vorsichtig formuliert, interpretationsfähig. Das gilt auch für die Antwort des CSU-Chefs, ob ein Kanzlersturz möglich sei: „Von der CSU auf keinen Fall.“ Man könnte daraus ablesen: aus den Reihen der CDU wäre eine solche Maßnahme, also der Wechsel des Regierungschefs mitten in der Legislaturperiode, durchaus denkbar. Mit dieser Interpretation liegt man nicht falsch: Die Junge Union beginnt, in Teilen von Merz abzurücken, Bildungsministerin Karin Prien mahnt öffentlich mehr Empathie von Merz an, um nur zwei Beispiele zu nennen.
Zeit zum Durchschnaufen bleibt dem angezählten CDU-Chef nicht
Söder weiß all das: Friedrich Merz’ Position wackelt, auch innerhalb der Union. Die Kommunalwahlen in Niedersachsen mögen da ein klein wenig wie Balsam auf den Wunden gewirkt haben. Den Christdemokraten blieb zumindest ein weiterer Totalabsturz, wie er in Sachsen-Anhalt bei den Landtagswahlen zu beobachten war, erspart.
Zeit zum Durchschnaufen bleibt dem angezählten CDU-Vorsitzenden dennoch nicht. Merz und seine Unterstützer blicken gespannt nach Mecklenburg-Vorpommern und Berlin. Dort wird am Sonntag gewählt und somit auch über die Zukunft des Kanzlers abgestimmt. Stellt die CDU in der Hauptstadt nicht länger den Regierenden Bürgermeister (was als wahrscheinlich gilt) und scheitert sie in Schwerin an der Fünf-Prozent-Hürde (sehr unwahrscheinlich nach den vorliegenden Umfragen) oder landet sie im einstelligen Bereich (durchaus denkbar), wäre Merz’ politische Karriere unter Umständen bald beendet. Längst hat auch innerhalb der CDU eine Personaldebatte begonnen.
Markus Söder trägt als CSU-Vorsitzender ebenfalls Regierungsverantwortung, wenn auch indirekt und nicht als Kabinettsmitglied. Als ehrgeiziger Mensch könnte ihn nach wie vor der Job des Kanzlers interessieren - Söder selbst weist derlei Ambitionen zwar weit von sich, doch es gab schon andere Themenbereiche, in denen er sich als äußerst wandlungsfähig erwiesen hat. Dass er einen besseren Job als Merz machen könnte, trauen dem 59-Jährigen zudem viele zu, nicht nur in den Reihen der Christsozialen.
Weshalb die anstehenden Wahlen spannend sind: Denn in den nächsten Wochen könnte sich vielleicht zum letzten Mal ein Fenster öffnen, zumal Söders Hauptkonkurrent ums Kanzleramt, Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst, selbst am Beginn eines Wahlkampfes steckt und somit nicht zur Verfügung steht.
Wüst gilt zudem unionsintern eher als Zauderer, Söder hingegen als jemand, der im richtigen Moment zupackt. Sollte Merz in Kürze wirklich scheitern, könnte sich die Tür ins Kanzleramt für den bayerischen Ministerpräsidenten einen Spalt weit öffnen. In diesem Moment wäre alles möglich...

3 Kommentare
SpVggvon1903
soeder ist dank seiner loyalitaet und felsenfesten ueberzeugungen noch nie auch im ansatz irgendwann irgendjemand in den ruecken gefallen. eher wuerde er seinen eigenen posten opfern um andere zu retten, schmutzeleien gibt es naemlich bei ihm nicht!
14.09.2026 17:35 Uhr