München - Schon die Studie der TUM zur CO2-Bilanz von E-Autos ist zumindest in Teilen schwierig. Doch anders als die Regierenden bestreitet sie wenigstens den Öko-Vorteil nicht. Es ist ein Ärgernis, kommentiert Roland Englisch.
10.09.2026 17:30 Uhr

Ausgerechnet Wissenschaftler der renommierten TU München stellen ein Papier vor, das mehr Fragen aufwirft, als es Antworten gibt. Es geht, mal wieder, um das Reizthema Elektroauto, das offensichtlich die Fans des Verbrenners besonders triggert.

Die TUM hat dafür teils acht Jahre alte Studien zur Ökobilanz ausgewertet und errechnet, dass E-Autos über ihren gesamten Lebenszyklus „nur“ 41 Prozent weniger CO2 ausstoßen als vergleichbare Verbrenner. Die EU, so ihre Forderung, müsse deshalb Themen wie den Flottenverbrauch neu bewerten und nicht mehr zugrunde legen, was die Wagen im Betrieb ausstoßen.

Die Menschen wollen die saubere Luft zuhause

Nur - warum sollte sie? Für die Menschen in unseren Städten und entlang der Straßen ist nicht wirklich entscheidend, was bei der Stahlproduktion passiert. Sie wollen die saubere Luft vor Ort, vor ihren Fenstern und Türen. Und das garantieren nur Strom betriebene Fahrzeuge, im Gegensatz zu noch so effizienten Verbrennermotoren, egal, was deren Anhänger auch behaupten.

Das TUM-Papier hat gleich mehrere Defizite. Niemand hat je erklärt, dass die Produktion von E-Autos schadstofffrei sei; sämtliche Studien berechnen das mit ein. Und sie kommen dennoch zum Ergebnis, dass über ihre Lebenszeit diese Fahrzeuge weit umweltschonender sind als Diesel und Benziner. Naheliegend, weil Schadstoffe vor allem bei der Herstellung emittiert werden; was später folgt, etwa über Reifenabrieb oder Schmierstoffe, ist vernachlässigbar.

Wer für seine Analyse auf Daten zurückgreift, die teils acht Jahre alt sind, ignoriert zudem, wie sich der Strommix seitdem verändert hat. Der Anteil der Erneuerbaren steigt stetig, allen Versuchen der CDU-Bundeswirtschaftsministerin zum Trotz, die noch immer das Prä bei den Fossilen sieht. Das wirkt sich zwangsläufig auf die Ökobilanz der E-Autos aus. Neueste Studien bescheinigen ihnen, dass sie über ihre Betriebszeit hinweg bis zu 73 Prozent CO2 weniger ausstoßen als Verbrenner. Auch, weil ihre Nutzer zunehmend auf heimische Solaranlagen zurückgreifen oder Öko-Stromtarife abschließen, die tatsächlich klimaneutral sind.

Gänzlich absurd ist allerdings, was CSU und Freie Wähler daraus folgern. Für ihre Parteichefs Markus Söder und Hubert Aiwanger zeigt die Studie, dass das Aus vom Verbrenneraus kommen müsse, weil es auf falschen Annahmen beruhe. Abstruser geht es kaum - und es wird auch den TUM-Forschern nicht gerecht.

Weder haben sie das gefordert, noch haben sie behauptet, E-Autos hätten keinen Klimavorteil. Den bestätigen sie definitiv; strittig ist nur seine Höhe. Söder und Aiwanger aber missbrauchen ihre Arbeit als Beleg für das Gegenteil. Und das, obwohl beide intelligent genug sind für die korrekten Schlüsse aus den Zahlen. Sie verstehen sie nur vorsätzlich falsch - zum Schaden aller, die in den Abgas-geplagten Städten leben müssen. Denn egal, wie man es dreht und wendet: Aus einem Verbrenner strömt immer dreckige Luft. Aus einem E-Auto nicht.