Nürnberg - Die AfD sagt erschreckend offen, dass sie gegen Minderheiten vorgehen will, ihr Programm ist rassistisch. Zu Recht haben viele Angst, wenn die Partei an die Macht kommt. Sie brauchen Rückendeckung aller Demokraten, kommentiert Alexander Jungkunz.
09.09.2026 17:25 Uhr

Wenn die AfD mal dran ist, dann müsst ihr euch umschauen: Das sagte die Mitarbeiterin eines Altenheims kürzlich zu einer Kollegin, die aus dem ehemaligen Jugoslawien stammt und längst hier integriert ist. Die Szene spielte nicht in Sachsen-Anhalt, sondern hier, in der Region. Und sie löste Ängste aus, ganz klar.

Denn die AfD redet ja erstaunlich offen davon, was sie vorhat, wenn sie an die Macht kommt. Auf dem Treffen ihrer Jugendorganisation „Generation Deutschland“ sagte der brandenburgische Landtagsabgeordnete Dennis Hohloch gerade: „Deutschland braucht keine 80 Millionen Einwohner, es kann auch mit 60 Millionen leben.“ Er steht mit der Aussage nicht allein.

60 statt 84 Millionen Deutsche: Das fordern nicht wenige in der AfD ernsthaft

60 Millionen: Das wären 24 Millionen Menschen weniger als heute. Da müssten weit, weit mehr als nur die illegal hier lebenden (und oft hier arbeitenden) Migranten ausgewiesen werden. Dieser völkische Irrwitz (mit der Folge des Zusammenbruchs etwa der medizinischen Versorgung und vieler anderer Branchen) müsste dann auch viele Millionen Menschen treffen, die - so die rassistische AfD-Diktion - kein „deutsches Blut“ haben.

Übertriebene Ängste? Noch, gewiss. Aber es ist nur logisch, dass nun viele Organisationen von Minderheiten schildern, was ihre Mitglieder umtreibt. Schwarze, Behinderte, queere Menschen, Migranten - sie sind alle erschreckend deutlich im Blickfeld der AfD. Ebenso Künstler, klassische Medien - alle, die Kritik an den Plänen der Partei wagen.

Einer Partei, die noch gar nicht an der Macht ist, nicht einmal in Sachsen-Anhalt - wo ihre Regierungsübernahme allerdings wahrscheinlich ist. Aber längst sind Anpassungsprozesse zu beobachten, die gerade in Deutschland nur zu bekannt sind: Was vor der Wahl nur stramme Anhänger forderten, wird nun sagbarer - und übernommen von jenen, die abwarteten und nun auf der Welle der Sieger mitsurfen wollen.

Lesbische oder schwule Paare hatten schon vor der Wahl in zu vielen Regionen oder auch in Berlin Angst, händchenhaltend durch die Straßen zu gehen, Anfeindungen gegen Juden nehmen zu - durch militante Islamisten wie durch Rechtsradikale. Die Aggressivität und Brutalität im Umfeld der AfD versteckt sich auch vor Kameras nicht - und es ist fatal, wenn linke Protestierende diese Methoden übernehmen.

Schon das Programm der AfD ist erschreckend offen - und verstößt gegen das Grundgesetz

Das Programm und viele Aussagen von AfD-Politikern belegen: Die Partei setzt auf Ausgrenzung von Minderheiten, eine klare Trennung gesellschaftlicher Gruppen sowie die rechtliche wie finanzielle Schlechterstellung von Menschen, die nicht ihrem traditionell-nationalen Familienbild der Partei entsprechen. Noch sind das nur Ziele - Ziele, die allesamt Gesetze und auch das Grundgesetz verletzen würden.

Daher braucht es wache Demokraten in Behörden, Organisationen, in Polizei, Kirchen und Vereinen, die sich wehren. Gegen Angriffe auf die Menschenwürde und gegen unsere rechtsstaatlich-liberale Gesellschaft. Dazu braucht es, leider, auch Mut und Standhaftigkeit.