Nürnberg - Zweites Jahr, zweiter Aufstieg: Das noch junge Rollstuhl-Basketball-Projekt der Nürnberg Falcons ist eine absolute Erfolgsgeschichte - bisher aber nur auf dem Feld. Abseits des Parketts hat der Verein noch viele Aufgaben vor sich.
07.08.2026 08:00 Uhr

Die treuesten Unterstützer hatten Verständnis für die Entscheidung, auch wenn es der Mannschaft nicht ganz leicht gefallen sein dürfte, diese Entscheidung zu verkünden. Bei einem gemeinsamen Abendessen mit Betreuern, Sponsoren und Freunden gab das Rollstuhl-Basketballteam der Falcons bekannt, das gerade gewonnene Aufstiegsrecht verstreichen zu lassen und eine Pause einzulegen auf dem ziemlich rasanten Weg nach oben. „Wir sind noch nicht so weit in Nürnberg“, sagt Gesche Schünemann, selbst Spielerin und Geschäftsführerin für Inklusion bei den Falcons.

Erst vor zwei Jahren wurde das Projekt ins Leben gerufen. Bereits in der ersten Saison durften sie in der dritten Liga starten und stiegen direkt in die zweite auf. In der vergangenen Saison eilten die Rollstuhl-Basketballer der Falcons dann von Sieg zu Sieg in der RBBL2, auch beim Finalturnier um den Aufstieg waren sie nicht zu stoppen. Obwohl sie in Hamburg fast ohne Ersatzspieler antreten mussten, ließ sich das Team von Josef Jaglowski nicht aufhalten - weder im Halbfinale von den ING Skywheelers Frankfurt noch im Endspiel von den Gastgebern der BG Baskets Hamburg.

„Das Nürnberger Basketball-Märchen geht weiter“ - aber in Liga zwei

„Das Nürnberger Basketball-Märchen geht weiter“, schrieben die Falcons auf ihrer Website, Schünemann war „überglücklich, als Zweitliga-Meister und Aufsteiger nach Nürnberg zurückzukehren“. Tatsächlich dürfen sie sich jetzt ein Jahr lang amtierender Zweitliga-Meister nennen - aber eben weiter als Mitglied dieser zweiten Liga. Auf den Aufstieg müssen und wollen sie verzichten; aus finanziellen und aus sportlichen Gründen.

Schon drei Monate vor dem Finalturnier in Hamburg hatte Schünemann erklärt, dass ihnen eine weitere Spielzeit in der zweiten Liga guttun würde. Gleich vier Nationalspielerinnen rollen für Nürnberg übers Parkett. Unter Jaglowski, der sowohl die Falcons als auch die Frauen-Nationalmannschaft trainiert, können sie sich in Ruhe entwickeln und die Rollen einnehmen, die sie auch in der Landesauswahl einnehmen sollen. In der ersten Liga müssten sie sich in den gemischten Teams mit einer vor allem physisch deutlich stärkeren (Männer-)Konkurrenz messen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Schünemann, „aber in der ersten Liga sind die Gegner nochmal ein ganz anderes Kaliber.“ Das bekam zuletzt auch der RSV Bayreuth zu spüren. Die Bilanz des Erstliga-Aufsteigers in der zurückliegenden Saison: ein Sieg aus 18 Partien.

„Davon sind wir weit, weit entfernt“, betont Gesche Schünemann

Es gibt aber auch wirtschaftliche Argumente dafür, sich noch nicht mit traditionsreichen Rollstuhl-Basketball-Klubs zu messen. „In der ersten Liga spielen 95 Prozent Vollprofis“, erklärt Schünemann, „gehaltstechnisch sind wir so noch lange nicht aufgestellt.“ Rund 250.000 Euro Etat bringen andere Vereine für eine Saison in der ersten Liga auf, „davon sind wir weit, weit entfernt“, betont Schünemann. In Nürnberg übernehmen die Spielerinnen und Spieler noch selbst die Kosten für die Anfahrt zu den Spielen oder auch zum Training.

Bei den Falcons wollen sie auf ein möglichst gesundes Wachstum setzen und deshalb ab Mitte Oktober wieder in der zweiten Liga antreten. „Natürlich ist das auch ein bisschen traurig“, sagt Schünemann, die Paralympics-Siegerin von London, aber sie haben eben den Kopf entscheiden lassen und nicht das Herz. Auch das konnten die treuesten Unterstützer nachvollziehen.