Nürnberg - Das schien lange undenkbar: eine russische Niederlage im Krieg Putins gegen die Ukraine. Doch die Zeichen dafür mehren sich. Ein Grund mehr, Kiew weiter zu unterstützen, kommentiert Alexander Jungkunz.
27.07.2026 14:02 Uhr

Ausgerechnet in Russland, das mit seinen Öl- und Gas-Exporten lange prächtig verdiente, ist inzwischen Benzin knapp. Lange Schlangen vor den Tankstellen, die Mengen sind kontingentiert, ein Liter kostet fast vier Euro: Viele Russen spüren die Folgen von Putins Krieg gegen die Ukraine mehr als bisher.

Nicht nur die Sanktionen zeigen zusehends Folgen. Es ist vor allem die immer professionellere Kriegführung der Ukraine, die Russland mehr und mehr trifft. Eine Art „Learning by doing“: Die Ukrainer attackieren mit sehr effektiven und günstigen Drohnen wichtige Infrastruktur des Gegners - Raffinerien, Häfen, Versandhändler, die auch Rüstungsgüter anbieten.

Putin greift zu allen Arten der Kriegführung, längst auch gegen uns

Auch Russland experimentiert mit neuen Waffen - und allen möglichen Arten von Kriegführung. Kürzlich bestellten etliche EU-Staaten - auch Deutschland - die jeweiligen russischen Botschafter ein. Der Grund: Cyber-Attacken und Hacker-Angriffe gegen kritische Infrastruktur. Putin setzt da auf Sabotage, auf reale und virtuelle Anschläge. So viel zu den angeblich friedlichen Absichten des russischen Diktators, dem viele Deutsche immer noch gern den roten Teppich ausrollen würden.

Da kann man sich natürlich nach der Entspannungspolitik der 1970er Jahre sehnen. Aber man muss die Unterschiede sehen: Damals handelte der Westen, gerade auch Willy Brandt, aus einer Position der Stärke heraus, die dann durch den Nato-Doppelbeschluss noch einmal einen Schub erhielt. Deutschland hatte einen hohen Wehr-Etat. Und in Moskau regierten erst ergraute Polit-Kommissare, dann der gesprächsbereite Gorbatschow - nicht ein selbst ernannter Widergänger der Zaren, der die Methoden sämtlicher russischer Gewaltherrscher bis hin zu Stalin perfektioniert.

Putin steckt Abermilliarden in diesen Krieg, er verheizt Soldaten ohne Ende und ohne jedes Mitgefühl. Nun schickt sein Diktatoren-Freund Kim offenbar weitere 30.000 Nordkoreaner nach Russland an die Front - sie gelten als Kanonenfutter. Die Verluste auf russischer Seite werden immer höher, auch das spüren immer mehr Russen.

Doch trotz all dieses Aufwands ist es die Ukraine, die allmählich die Oberhand gewinnt in diesem Krieg. Ein Schweigen der Waffen wäre wunderbar. Es wird aber nur, siehe Entspannungspolitik, aus einer Position der Stärke heraus zu erreichen sein, garantiert nicht durch einen Stopp der Hilfen an Kiew, wie ihn Linke und AfD fordern. Die AfD hat ihre Nähe zu Moskau und zum Diktator Putin hinlänglich unter Beweis gestellt - ein Beleg für ihre antidemokratische Ausrichtung.

Die Ukraine verteidigt auch unsere Freiheit

Der Westen muss daher die Ukraine weiter und geschlossen unterstützen - gerade jetzt. Dabei wäre Rückendeckung durch die USA erfreulich, doch auf Trump ist gewiss kein Verlass. Putin in die Schranken zu weisen: Das wäre enorm wichtig als Rückversicherung für viele andere Staaten Europas. Die hätten sonst ähnliche Attacken zu befürchten wie die Ukraine, die auch unsere Freiheit verteidigt.