
Es liest sich wie ein Science-Fiction-Skript, ist aber Realität: Ein KI-Modell bricht quasi aus dem Gehege aus, in das es seine Programmierer steckten, gelangt ins Internet und greift ein anderes Netzwerk an, um so die ihm gestellten Testaufgaben leichter zu lösen. Die Künstliche Intelligenz macht sich also selbstständig und setzt sich über Befehle hinweg. Das passierte nun mit einer KI von OpenAI, die den Konkurrenten Hugging Face angriff.
Der Vorgang bestätigt jene Ängste, die seit langem kursieren. Im Blockbuster „Matrix“, vor 27 Jahren ein Kino-Erfolg, wird Künstliche Intelligenz (KI) als dominante Zivilisation dargestellt, die nach einem Krieg gegen die Menschheit die Weltherrschaft übernahm.
Die Antwort der KI selbst muss aufhorchen lassen
Ein Horrorszenario, zweifellos. Wie realistisch ist es - das fragen wir die KI von Google. Antwort: „Die Gefahr, dass die Menschheit die Kontrolle über kritische Systeme (Infrastruktur, Finanzmärkte, Militär) an autonome KIs verliert oder dass Gesellschaften durch eine Flut künstlicher Informationen manipuliert werden, ist so real wie nie zuvor.“
Diese Antwort destilliert die KI aus dem in ihr gespeicherten Weltwissen. Wer weiß, dass die meisten KI-Modelle zu Beschönigungen neigen, muss spätestens jetzt nachdenklich werden. Aber: Die KI und ihre Produzenten lassen uns keine Zeit mehr zum Nachdenken - obwohl einige führende Köpfe der Branche selbst wiederholt genau das forderten: eine Pause, eine Art Moratorium, um zu beobachten, was falsch und was gut läuft mit dieser neuen Technik.
Die kann ein wunderbarer Helfer sein - und ist das ja auch zusehends, auf jedem Handy, bei vielen anderen Routinen. Da dient sie im Idealfall als Entlastung, die Menschen Spielraum lässt für Kreativität. Aber sie kann eben viel mehr - wenn ihr nicht ganz klare Grenzen gesetzt werden.
Der jüngste Vor- oder eher Überfall der einen Künstlichen Intelligenz auf eine andere KI belegt nun Befürchtungen: Es gibt Sicherheitsrisiken, und die KI kann Regeln umgehen. Die KI-Anbieter kokettieren in ihrem gnadenlosen Wettbewerb untereinander ohnehin zu oft mit der Gefährlichkeit ihrer Produkte - was sie für viele attraktiver macht, natürlich auch für Nutzer, die damit Kriege führen oder Cyber-Verbrechen begehen.
Zu viele Fragen sind unbeantwortet
Jede Menge Fragen sind nach wie vor unbeantwortet: Wer ist verantwortlich, wenn die KI Grenzen überschreitet? Kaum die Maschine. Aber ihr Programmierer? Da ist viel zu regeln. Ein Thema, das die Politik vor sich her- oder, wie in den USA, ganz wegschiebt.
Was tun? Auf eine sinnvolle Pause dürften sich nicht alle einlassen - aber nur dann macht sie Sinn. „Macht nur weiter, wenn wir Systeme haben, die garantiert sicher sind“, sagte kürzlich der KI-Pionier Stuart Russell. Gefragt ist eine mutigere Politik, die zusammen mit den nachdenklichen Köpfen der Branche strenge Programmier-Vorschriften und Regeln durchsetzt. Damit KI uns nicht abschafft, sondern assistiert.

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