Nürnberg - Kommerzielle Interessen beeinflussen den Fußball schon immer. Aber die Ausbeutung der Weltmeisterschaft nach Vorbild anderer US-Sportarten rüttelt an den Grundfesten des Spiels - es braucht dringend einen Schritt zurück, kommentiert Thomas Correll.
19.07.2026 23:00 Uhr

Fußball ist ein Spiel, das fast den ganzen Planeten begeistert. Die nun zu Ende gegangene Weltmeisterschaft war wieder ein Fest für alle, die den Sport lieben - und auch für die, die nur alle vier Jahre mal reinschauen. Aber was bleibt sonst noch von diesem Turnier? Hoffentlich nichts. Denn die Ausbeutung des Fußballs zugunsten kommerzieller Interessen hat mit der WM eine neue Stufe erreicht - was man kaum für möglich gehalten hätte.

In den USA unterliegen die drei dort beliebtesten Sportarten, American Football, Baseball und Basketball, dem ständigen Wandel. Nicht nur, weil sich Taktiken ändern, sondern auch zum Zweck der Vermarktung. Im Basketball gibt es zwei Viertelpausen und eine Halbzeit. Zu wenig Zeit für Werbung - so wurden die „TV-Timeouts“ eingeführt. Nach einer bestimmten Anzahl von Minuten kommt es zu einer automatischen Pause. Nur so ist es möglich, die Sendezeit zu garantieren.

Die Halbzeit-Show im WM-Finale schafft auch Zeit für lukrative Werbespots

Während hier der Grund wenigstens nicht verschleiert wird, tut die Fifa mit ihren „Trinkpausen“ so, als würde sie sich um die Gesundheit der Spieler sorgen - und steckt sehr viel Geld für Premium-Werbeslots ein. Die Vergrößerung des Teilnehmerfelds wird scheinheilig mit einer Sympathie für die kleinen Nationen begründet, obwohl auch sie nur der Bereicherung dient. Die Heuchelei verwundert nicht einmal, Fifa-Präsident Infantino ist so durch und durch korrupt, dass ihm die Nähe zu US-Präsident Trump weit wichtiger ist als die Integrität seines Verbands.

Die Halbzeit beim Super Bowl, dem Endspiel der Football-Saison, ist doppelt so lang wie die Halbzeit bei anderen Spielen. Popstars treten auf, dafür muss umgebaut werden - und natürlich bleibt dann viel Zeit für die teuersten Werbefenster des Fernsehens überhaupt. Ganz so, wie es jetzt beim WM-Finale der Fall war. Es ist nicht das erste Mal, dass im Fußball die Halbzeit verlängert wird, aber es ist das bis dato prominenteste Beispiel.

Fußball ist so attraktiv wie nie zuvor - ohne Änderung der Grundregeln

Im US-Sport sind Regeländerungen kein Tabu, wenn sie der Attraktivität des Sports - für Zuschauer, aber vor allem für potenzielle Werber und Sponsoren - dienen. Der Fußball dagegen funktioniert mit unwesentlichen Ausnahmen schon immer nach dem gleichen Regelwerk. Sepp Herbergers Weisheiten von vor 70 Jahren gelten bis heute. Trotzdem ist der Fußball von heute nicht vergleichbar mit dem, was zu Herbergers Zeiten gespielt wurde. Der Sport hat sich weiterentwickelt, ist dynamischer und körperbetonter geworden. Er ist so attraktiv wie nie zuvor - und das ganz ohne jede Änderung der Grundregeln.

Dass die Fifa mit durchsichtigen Intentionen an dieser bewährten Basis herumschraubt, ist unverzeihlich. Es macht Hoffnung, dass Bundesliga und Champions League bereits signalisiert haben, die obligatorische Trinkpause nicht einzuführen. Die US-Amerikaner sind Meister des Entertainments, da kann man sich sicher einiges abschauen. Aber der Fußball ist gut so, wie er ist.