
Schmerz - wie setzt man ihn ins Bild? Die Kunstgeschichte blickt hier auf eine lange Tradition zurück. Von spätmittelalterlichen Schmerzensmann-Darstellungen bis zu der berühmten Sterbeszene in „Blade Runner“: Schmerz gehört zum Menschsein dazu. Unter dem Ausstellungstitel „Soft Pain“ visualisieren die Künstlerinnen Sophia Kaiser und Nora Lösel vom 18. bis 26. Juli im Kulturlokal Fürth (Bahnhofplatz 2) eben diese Facetten des Schmerzes: Melancholie, Trauer, psychische sowie körperliche Verletzung, aber auch Verbundenheit und zwischenmenschliche Wärme finden in der installativen und multimedialen Bildsprache der beiden ihren Ausdruck.
Ein Absturz in die Verzweiflung geschieht in der Ausstellung dennoch nicht. Unverwüstliche Verträumtheit, Freude am Materialspiel und das Zwinkern textiler Augen verhindern ihn und lassen den Blick in die Tiefe zu – ohne dabei unterzugehen.
„Soft Pain“: Sophia Kaiser und Nora Lösel stellen im Kulturlokal Fürth aus
„Soft Pain“: Die Überschrift der Ausstellung mutet wie der Titel eines Musikalbums oder eines Anime an. Der popkulturelle Anstrich, dem Kaiser und Lösel damit ihrer Show geben, ist durchaus gewollt, steht er doch für das verbindende Element in ihren Arbeitsweisen. Gleichzeitig ist der Titel aber auch ein Hinweis auf das, was in der Ausstellung zu sehen sein wird. Während „Pain“ den inhaltlichen Schwerpunkt deutlich macht, weist der erste Namensteil „Soft“ konkret auf die Kunstwerke hin. Denn Kaiser und Lösel arbeiten oft mit weichen Stoffen und Materialien, fertigen aus oder auf ihnen Bilder und Objekte. Beide bewegen sich dabei in fantastischen, surrealen Bildwelten, die in einer raumgreifenden Installation im Kulturlokal nahezu ineinander wuchern werden. Mit ihrer Kunst wollen Kaiser und Lösel hier eine Spielwelt erschaffen, die das Raumgefühl des Ausstellungsraumes vollkommen verändert.
Gleich am Eröffnungstag gibt es ein Künstlerinnen-Interview, moderiert von Stephanie Braun, Projektkoordinatorin am Kunsthaus Nürnberg. Und auch während der folgenden Öffnungszeiten sind Kaiser und Lösel stets im Kulturlokal und stehen für den Austausch mit den Besuchern bereit. Zur Finnisage der Ausstellung (26. Juli) gibt es Kaffee und Kuchen.
Write-&-Draw-Workshop „Kiss the Muse“
Zusätzlich haben Besucher des Kulturlokals die Gelegenheit, am Sonntag (19. Juli) von 14 bis etwa 17 Uhr am Write-&-Draw-Workshop „Kiss the Muse“ teilzunehmen. In dem Workshop setzen sich die Teilnehmenden schreibend und zeichnend mit den in der Ausstellung gezeigten Werken auseinander. Durch kurze Schreibimpulse, gemeinsames Schreiben und zeichnerische Verdichtung entsteht ein Zugang zu inneren Zuständen im Spannungsfeld zwischen Schmerz, Reflexion und dem Gefühl, gehalten zu sein. Um Anmeldung beim kostenlosen Workshop wird gebeten unter [email protected].
Sophia Kaiser, Jahrgang 1977, studierte an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Nach ihrem zweiten Staatsexamen für das Gymnasiallehramt im Jahr 2007 arbeitete sie als Kunstlehrerin. Seit 2016 arbeitet Kaiser am Hardenberg-Gymnasium in Fürth. Mit ihrer Kunst ist sie sowohl in Einzel- als auch Gruppenausstellungen vertreten wie zuletzt gemeinsam mit Yvonne Jakob in einer Doppelausstellung im April in der Badstraße 8.
Die 1982 geborene Nora Lösel studierte Lehramt Kunst und Englisch an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Seit ihrem zweiten Staatsexamen für Lehramt an Realschulen im Jahr 2012 ist sie an der Johannes-Scharrer-Realschule in Hersbruck tätig. Zuletzt war sie 2025 in der Einzelausstellung „The Shrine of Development“ im Edel Extra Nürnberg vertreten.
Info
„Soft Pain“: Kulturlokal Fürth (Bahnhofplatz 2), Vernissage mit Künstlerinnen-Interview am 18. Juli ab 19 Uhr, geöffnet am 19. Juli (14-17 Uhr) und montags bis sonntags (außer Mittwoch) 16-18 Uhr. Eintritt frei. Bis 26. Juli.



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