
Adults only stand mal für eher moralisch anrüchige Angebote, heute ist es ein Trend, der gerade die Tourismusbranche umkrempelt. Mehr als die Hälfte der Deutschen, das zeigen Umfragen, zieht Hotels vor, in denen Kinder nicht zugelassen sind. Und bei den Restaurants geht der Trend ebenfalls in diese Richtung.
Für Familien, insbesondere für junge Familien ist das ein bedenkliches Zeichen. In einer überalternden Gesellschaft sind sie ohnehin schon Exoten. Jetzt werden sie zunehmend zu Parias, zu Ausgestoßenen, die zwar irgendwie geduldet sind - schließlich finanzieren sie die Sozialkassen, soweit reicht das Verständnis dann doch -, aber den eigenen Lebenskreis eher nicht beeinträchtigen sollten.
Nicht alle wollen stillende Mütter am Tisch
Klar, es gibt die Konfliktlinien. Da sind die Eltern, die ihre Kinder in keiner Weise einschränken, ihnen auch im Hotel oder im Restaurant maximale Freiheiten zugestehen und nicht verstehen wollen, dass nicht alle Gäste die tobenden Kleinen süß finden. Und da sind jene, die sich daran stören, wenn Mütter an ihrem Tisch das Baby stillen, auch wenn das ganz natürlich sein sollte.
Andererseits ist die sprichwörtliche Grabesstille in kinderlosen Hotels oder Restaurants manchmal zutiefst irritierend, wenn Pärchen an den Tischen sitzen, die sich seit Jahren nichts mehr zu sagen haben. Etwas mehr Kinderlachen könnte der Atmosphäre nur gut tun.
Umso verwunderlicher ist auf den ersten Blick, dass der Wunsch nach einer kinderlosen Freizeit nicht auf Ältere beschränkt ist. Bei den Jüngeren, der Generation der 20- bis 30-Jährigen, ist er mindestens genauso ausgeprägt. Und wer sich im Bekannten- oder Freundeskreis umhört, stellt fest, dass das auch für Paare gilt, deren Kinderwunsch ausgeprägt ist, später mal. Es wird spannend, wie sie sich verhalten, welche Ansprüche sie formulieren, wenn die Kleinen dann da sind.
Bedenklich ist der Trend dennoch, denn er verbannt Kinder zusehends aus dem öffentlichen wie dem halb öffentlichen Raum. Damit verschwindet auch die gesellschaftliche Akzeptanz dessen, was Kinder auch ausmacht: ihre Neugier, ihre Energie, ihr Bewegungsdrang und, ja, auch ihre Lautstärke. Still und angepasst sind sie noch früh genug. Ohne diese Akzeptanz werden Kinder zu einer gefühlten Belastung, zu einem Störfaktor. Das ist einer aufgeschlossenen Gesellschaft nicht nur unwürdig, es bedroht sie von innen heraus, weil sie ohne den Nachwuchs zugrunde gehen wird. Das spüren wir schon jetzt in aller Schärfe, etwa in der Rentendiskussion.
Es wäre viel gewonnen, wenn alle Beteiligten etwas mehr Rücksicht nähmen. Die jungen Familien, die akzeptieren, dass Ältere ein anderes Lärmempfinden haben können. Und die Älteren, indem sie hinnehmen, dass sich Erziehungsmethoden von Generation zu Generation ändern, dass sie sich weiterentwickeln, neue Wege ausprobieren und alte verwerfen.
Es ist wie überall im Leben: Etwas mehr Toleranz kann entspannen - auch im Urlaub.

2 Kommentare
M95L
...im Konfliktfall Hausverbot mittels Hausrecht erscheint wirksamer als ein pauschales Verbot. Es träfe weit überwiegend die Falschen...
11.07.2026 22:07 Uhr