Ansbach - Nach fünf Jahren Restaurierung erstrahlt der Carlone-Saal der Ansbacher Residenz wieder in voller Pracht. Eine neue Sonderausstellung zeigt, wie das barocke Meisterwerk restauriert wurde – mit Führungen, Workshops und besonderen Events.
08.07.2026 05:00 Uhr

Wer vom Trubel der Ansbacher Innenstadt durch das steinerne Eingangstor tritt, vorbei an den steinernen Putten, die auf die Ankommenden herabblicken, und über die kopfsteingepflasterte Brücke den Graben überquert, betritt eine andere Welt. Der blaugrau-gelbe Prunkbau der Ansbacher Residenz lädt dazu ein, in die Zeit des Barocks und das herrschaftliche Leben am Hof einzutauchen.

Prächtige Stuckdecken, glitzernde Kronleuchter und breite Treppen verzaubern die Gäste seit Jahrhunderten. Herzstück der Residenz ist der Carlone-Saal. Sein imposantes Deckenfresko zeigt einen scheinbar offenen Himmel. Seit kurzem gibt es nun auch einen Spiegel, mit dem man bequem an die Decke schauen kann.

Seit Dezember ist der Festsaal nach fünf Jahren Restaurierung wieder ohne Gerüste zugänglich. Das kunstvolle Deckengemälde und die aufwendig restaurierte Ausstattung sind in vollem Glanz zu erleben.

Workshops, Vorträge, Silent Readings

Bis 4. Oktober widmet die Bayerische Schlösserverwaltung dem restaurierten Festsaal eine Sonderausstellung. Unter dem Titel „Wie der Himmel an die Decke kam“ dreht sich alles um die Restaurierung des Meisterwerks von Carlo und Diego Carlone. Ergänzt wird die Ausstellung durch Führungen, Vorträge und Workshops. Mitmachstationen lassen den Festsaal mit allen Sinnen erleben – „nur Schmecken geht nicht. Probieren Sie bitte nicht den Stuck“, scherzt Kuratorin Cordula Mauß. Da lassen sich etwa die verschiedenen Schritte der Restaurierung nachvollziehen, Gerüche erschnüffeln oder einer der Kronleuchter beschmücken.

Bei den Vorträgen geht es unter anderem am Freitag, 3. Juli, um 18.30 Uhr um Denkmaltheorie und die Restaurierungsarbeiten. Am Samstag, 4. Juli, um 11.30 Uhr erfahren Besucherinnen und Besucher mehr über die Geheimnisse des barocken Deckengemäldes.

Ein besonderes Highlight sind die „Silent Readings“. Bei diesen Veranstaltungen können Leserinnen und Leser in der besonderen Atmosphäre des Carlone-Saals gemeinsam in aller Stille schmökern. Die Termine sind Freitag, 18. Juli, und Mittwoch, 30. September, jeweils um 18 Uhr.

Zum Begleitprogramm gehört außerdem ein Kinderworkshop mit der Vergolderin Sabine Vogt am Sonntag, 12. Juli, von 10.30 bis 12 Uhr für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren. Am Tag des offenen Denkmals, Sonntag, 13. September, werden um 11 und 13 Uhr Führungen durch den Dachstuhl über dem Carlone-Saal angeboten. Ein weiteres Highlight ist die Grüne Nacht am Samstag, 26. September, von 18.30 bis 22 Uhr. Mit Gästekennzeichen der Grünen Nacht ist der Eintritt in die illuminierte Sonderausstellung frei.

Darüber hinaus finden regelmäßig Führungen und Vorträge statt. Die Termine sind auf der Internetseite der Bayerischen Schlösserverwaltung sowie im Flyer zur Sonderausstellung zu finden. Ein Großteil der Ausstellungsstücke darf auch nach Oktober in der Residenz bleiben, sagt Kuratorin Mauß auf Nachfrage unserer Redaktion.

Die Residenz Ansbach als Touristenmagnet: So viel kostet der Eintritt

Die Ausstellung ist bis 30. September jeweils dienstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr geöffnet, vom 1. bis 4. Oktober von 13 bis 16 Uhr. Der Eintritt kostet regulär drei Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Der Eintritt inklusive Schlossführung beträgt sechs Euro, ermäßigt fünf Euro. Für Ausstellungsführungen und Workshops fällt zusätzlich zum Eintritt ein Aufpreis von drei Euro an. Die Führung „Rettis Baustellen“ kostet neun Euro zuzüglich Eintritt; hierfür ist eine Anmeldung erforderlich. Die Vorträge können kostenlos besucht werden.

Begleitend zur Ausstellung erscheint die Publikation „Wie der Himmel an die Decke kam. Der Festsaal der Residenz Ansbach“. Das 40-seitige Heft mit 42 Abbildungen ist für sechs Euro erhältlich.

Begrüßt wurden die ersten Gäste vom Ansbacher Hoftrompeter Johannes Stürmer, der auf der Trompete dem besonderen Moment der Ausstellungseröffnung die passende Atmosphäre verlieh. Michael Rotschedl, Vorsitzender der Schloss- und Gartenverwaltung Ansbach, betonte in seinem Grußwort den „unermäßlichen Beitrag“, den viele Hände während der Restaurierung zu einem Gesamtbild Festsaal – damals wie heute – beitrugen. Die Ausstellung lädt ein, den „lebendigen Kultur- und Geschichtsort“ zu erforschen. Dabei gehe es tiefer als nur der erste Blick.

„Wegen Bauarbeiten geöffnet könnte auch das Motto der Residenz Ansbach lauten“, sagt Hermann Auer, Präsident der Bayerischen Schlösserverwaltung. Draußen stehen noch Baukran, Bauzäune und Gerüste, überall wird gearbeitet. Die umfassenden Restaurierungs- und Sanierungsarbeiten seien notwendig, um das Erbe für nachfolgende Generationen zu erhalten. Dabei gehe es nicht um eine Modernisierung: „Es muss nichts neu werden, was nicht neu ist.“ Es gehe schlicht um den Erhalt.

Die Residenz der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach wurde auf den Resten einer mittelalterlichen Anlage zwischen 1705 und 1733 umgeformt unter der Leitung von Gabriel de Gabrieli im spätbarocken Stil. Die Innenausstattung stammt wesentlich von Leopold Retti. Für das Deckengemälde des „Guten Regiments“ zeichnete Carlo Carlone verantwortlich.