
Manchmal liegt Stadtgeschichte nicht in großen Archiven, sondern in Ordnern, alten Postkarten, beschrifteten Fotos und in den Erinnerungen von Menschen, die genau wissen, warum ein Haus einmal so aussah, eine Straße ihren Namen trägt oder ein Platz für viele Steiner eine besondere Bedeutung hat. Einen solchen Schatz hat die Stadt Stein nun erhalten - mit dem umfangreichen historischen Bildbestand von Waldemar Knaupp.
Knaupp, der 2011 verstorben ist und einst der geschäftsleitende Beamte im Rathaus war, hatte über viele Jahre hinweg historische Ansichten aus der Faberstadt gesammelt, geordnet und bewahrt. Der Fundus umfasst alte Fotografien, Postkarten und weitere Bilddokumente zur Stadtgeschichte. Viele Motive zeigen Gebäude, Straßenzüge, Betriebe, Plätze und Alltagsszenen, die es in dieser Form heute nicht mehr gibt. Damit ist die Sammlung nicht nur ein Blick zurück, sondern auch ein Stück kollektives Gedächtnis der Stadt.
Digitales Fotoarchiv der Stadt Stein: Waldemar Knaupps historische Aufnahmen sind gerettet
Übergeben wurden die Bilder von Knaupps Ehefrau. Möglich wurde dies auch durch Erwin Kohlbeck, den ehemaligen Vorstand des Kommunalbetriebs Stein und langjährigen Ersteller des beliebten Steiner Kalenders. Er kannte Waldemar Knaupp persönlich und hatte über viele Jahre hinweg für den Kalender immer wieder auf dessen historischen Bildbestand zurückgreifen dürfen.
„Waldemar Knaupp hatte ein unglaubliches Gespür für die Geschichte unserer Stadt. Er wusste nicht nur, was auf den Bildern zu sehen war, sondern oft auch die Geschichten dahinter. Mit diesen Worten wird Erwin Kohlbeck in einer Pressemitteilung aus dem Rathaus zitiert. Gerade diese Verbindung aus Bild und Erinnerung mache den Bestand so wertvoll.
Kohlbeck hat den Fundus - etwa 4000 Aufnahmen in 14 Ordnern, wie er den FN erzählt - mit großem persönlichem Einsatz in seiner Freizeit digitalisiert. Über viele Monate hinweg scannte er die Bilder, ordnete sie thematisch, versah sie mit Stichworten und machte sie damit leichter auffindbar. Entstanden ist so ein digitales Archiv mit historischen Bilddokumenten. Viele Originale waren in den Ordnern abgelegt, häufig mit handschriftlichen Hinweisen und Beschreibungen versehen. Auch diese Angaben wurden nach Möglichkeit mitgesichert, weil sie für die spätere Einordnung der Motive wichtig sind.
Die Motive reichen von alten Ansichten des Faberschlosses über Straßenzüge und frühere Handwerksbetriebe bis hin zu Aufnahmen aus Alt-Stein, alten Postkarten und Bildern von prägenden Orten. Für die Stadt Stein ist die Übergabe ein besonderer Gewinn. Der Bestand kann künftig dabei helfen, die Geschichte der Kommune sichtbarer zu machen, etwa für Veröffentlichungen, Ausstellungen und Beiträge in den städtischen Medien.

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