
Die Euphorie war greifbar. Wo man am Freitag in Essen auch hinkam, überall waren glückliche Menschen in rot-weißen Trikots unterwegs. Mehrere Hundert von ihnen machten sich am Abend mit einem lauten Fanmarsch und allerhand Feuerwerk auf den Weg ins traditionsreiche Stadion an der Hafenstraße. Sie alle einte der Wille, ihren RWE, den Deutschen Meister von 1955, der mit Helmut Rahn einen Weltmeister hervorgebracht hat, nach knapp 20 Jahren in der vierten und dritten Liga endlich in die zweite Bundesliga zurückzuführen.
Die Chance darauf ist beim Relegations-Hinspiel gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth größer geworden. Der Drittligist kämpfte wacker, traf wunderschön per Freistoß und schubste das taumelnde Kleeblatt mit dem 1:0 noch ein bisschen näher an den Abgrund zur dritten Liga.
SpVgg Greuther Fürth geht unverändert ins Spiel
Wie zufrieden Heiko Vogel mit dem Auftritt seiner Mannschaft beim 3:0 gegen Düsseldorf war, sah man auch fünf Tage später noch. Der Trainer des Kleeblatts vertraute in Essen denselben elf Spielern, die sich mit einem „nahezu perfekten Spiel“ in die Relegation gerettet hatten und schickte diese erneut mit einer sehr offensiven Ausrichtung aufs Feld. Nach drei Minuten holte Sayfallah Ltaief auch den ersten Freistoß in gefährlicher Position heraus, den Felix Klaus in Richtung des Essener Tores zog, wo Jakob Golz aber keine Probleme hatte.
Ansonsten entstand in der ersten Viertelstunde vor beiden Toren keine wirkliche Gefahr, doch dann hätte Jannik Dehm die enthusiastischen Fans auf allen Tribünen beinahe verstummen lassen: Der Rechtsverteidiger des Kleeblatts zog aus knapp 30 Metern ab, traf mit seinem wuchtigen Schuss aber nur die Latte (16.). Knapp zehn Minuten später näherte sich auch der Drittligist erstmals dem Fürther Tor an, Kaito Mizutas Freistoß flog jedoch an allen Mitspielern und dem Pfosten vorbei (28.).
Die Spielvereinigung tat sich ansonsten gegen die bisweilen hart arbeitenden Essener sehr schwer, Chancen erspielten sich die Gäste lange keine - bis Dehm einen Einwurf in den Strafraum schleuderte und Noel Futkeu zum Fallrückzieher in die Luft stieg. Der Versuch des gebürtigen Esseners flog aber knapp am Tor vorbei (38.). Zwei Minuten vor der Pause drosch Gianluca Swajkowski den Ball kurz unter die Anzeigetafel, kurz darauf war Pause. 0:0. Ein Klassenunterschied zwischen dem Dritt- und dem Zweitligisten war nicht zu sehen.
Die zweite Hälfte begann dann in Stille, weil beide Fanlager offenbar wegen eines medizinischen Notfalls die Unterstützung einstellten. In einer ganz seltsamen Atmosphäre ließ Branimir Hrgota in der 50. Minute mehrere Essener aussteigen und zwang Golz zu seiner ersten Parade. Es war der Auftakt einer - leider nur sehr kurzen - guten Fürther Phase. Klaus brachte nicht genug Kraft hinter seinen Schuss (52.), Dehms wuchtiger Versuch verfehlte das Ziel nur knapp (54.), dann wurde es an der Hafenstraße wieder laut.
Silas Prüfrock drehte den Lautstärkeregler in der 58. Minute auf Anschlag und holte ein ganzes Stadion zurück ins Spiel: Der Fürther Torhüter spielte dem Essener Torben Müsel vollkommen unnötig den Ball in den Fuß, viele Essener hatten den Torschrei schon auf den Lippen, doch Prüfrock eilte zurück ins verwaiste Tor und rettete auf der Linie. Die Menschen standen nun auf allen Tribünen, peitschten ihren RWE nach vorne - und durften in der 62. Minute jubeln: Srbeny verursachte einen Freistoß, den Torben Müsel traumhaft in den Winkel schoss.
1:0 für den Drittligisten, der damit einen großen Schritt Richtung Aufstieg machte - und die Spielvereinigung noch ein bisschen näher an den Abgrund schubste. Heiko Vogel reagierte mit der Hereinnahme des defensiveren Doni Arifi für den platten Srbeny und kurz darauf mit Aaron Keller für den gelbvorbelasteten Dehm. Doch besser wurde es auch nach den beiden Wechseln nicht. Die Fürther wirkten platt, mit jeder Minute mehr unterliefen ihnen seltsame Fehler, mit denen sie ihren Gegner stark machten.
Der eingewechselte Ex-Fürther Dickson Abiama überlief den fahrigen Ziereis, verpasste aber die Entscheidung (84.). genauso wie der freistehende Ex-Nürnberger Jannik Hofmann (86.). Doch um 22.22 Uhr jubelte die Hafenstraße: Essen ist nur noch 90 Minuten vom Aufstieg entfernt. Das Kleeblatt nur noch 90 Minuten vom Abstieg.
Info
Essen: Golz; Rios Alonso, Hüning, Kraulich - Hofmann, Swajkowski (76. Reisig), Kostka (76. Brumme) - Mizuta (90. Obuz), Müsel - Safi (69. Janssen), Cuber Potocnik (69. Abiama). - Fürth: Prüfrock; Dehm (73. Keller), Elvedi, Ziereis, Itter - Will - Klaus, Srbeny (67. Arifi), Hrgota, Ltaief (84. Higl) - Futkeu. - Schiedsrichter: Schlager (Rastatt). - Zuschauer: 18.117. - Tore: 1:0 Müsel (62.). - Gelbe Karten: Rios Alonso / Hrgota, Dehm, Ziereis.
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17 Kommentare
Auch ein Fürther
Liebe Stadionbesucher in Grün-Weiß!
Egal was war und welch Blindgänger für die Zusammenstellung der Mannschaft verantwortlich ist, gebt am Dienstag alles was geht! Vor den Fans der SpVgg ziehe ich den Hut. Ich selbst kann leider nicht im Stadion sein. Es geht um unsere SpVgg! Auf gehts , packmers.....
25.05.2026 15:42 Uhr