
Der Chor Vocanta aus Erlangen brachte mit seinem Konzert „Oh Green & Pleasant Land“ Musik aus Großbritannien in die Herzogenauracher Stadtpfarrkirche Sankt Maria Magdalena. Dirigentin Judith Adamczewski hatte die Chorleitung zu Jahresanfang von ihrem Vater Joachim Adamczewski übernommen. Auf dem Programm standen Werke britischer Komponisten aus fünf Jahrhunderten, darunter Henry Purcell, Benjamin Britten, Thomas Tallis und Judith Weir.
Die Komponistin Judith Weir stellte für Adamczewski die Entdeckung dieses Programms dar. Sie kann sich sowohl im feierlichen Stil für besondere Anlässe ausdrücken als auch traditionelle Themen auf innovative Weise aufgreifen. Sie komponierte das bewegende Werk „Lik as the hart“ für die Beisetzung der britischen Königin Elisabeth II. Bei diesem historischen Anlass von einem Boy-Choir aufgeführt, überzeugte das Stück auch in der einfühlsamen Aufführung mit dem gemischten Vocanta-Chor. Im vorgetragenen Zyklus brachte Weir jeden Text mit ihrer ausdrucksstarken Musik präzise auf den Punkt.
Von Britten bis Vaughan Williams prägen britische Komponisten das Konzertprogramm
Benjamin Britten widmet sich in seinen poetischen „Flower Songs“ mit den Blumen für die Monate April, Mai, Juni und Juli auch der melancholischen Vergänglichkeit der Narzissen. Er verwendet die anderen Blumen auch geschickt als Sprachwitz, so steht der gelbe Ginster symbolisch für einen Taugenichts. Mit einer typisch britischen Kompositionsform, dem feierlichen Anthem, war Henry Purcell, der berühmte Orpheus Britannicus, im anspruchsvollen Konzertprogramm vertreten. Als bedeutender Vertreter des englischen Barocks war er mit den ergreifenden Werken „Hear my prayer, oh Lord“ und „Remember not, Lord, our offences“ eindrucksvoll präsent.
Die zwei kunstvollen Stücke von Thomas Tallis zeigten eindrucksvoll, dass er sowohl die Form der traditionellen englischen Anthems als auch die komplexe europäische Vokalpolyphonie seiner Zeitgenossen auf dem Kontinent virtuos beherrschte. An den bewegenden Remembrance Day erinnert John Taverner mit seinem eindringlichen Werk Exhortation and Kohima. Den stimmungsvollen Abschluss des gelungenen Konzerts machte das weltbekannte britische Stück Greensleeves in der romantischen Vertonung von Ralph Vaughan Williams. Das zeitlose Lied erzählt ursprünglich von einem verschmähten Liebhaber, wird von Vaughan Williams aber in eine völlig neue, hoffnungsvolle Version umgedeutet.
A-capella-Konzert von Adamczewski erntet minutenlangen Applaus
Mit ihrer durchdachten Programmzusammenstellung hatte Adamczewski den Geschmack des begeisterten Publikums perfekt getroffen. Das technisch anspruchsvolle a capella Konzert wurde von den sichtlich beeindruckten Zuhörern mit langanhaltendem Applaus bedacht. Danach wurden die Zuhörer mit unvergesslichen musikalischen Eindrücken in den lauen Maiabend entlassen.
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