Nürnberg - Ein Betriebsunfall im Nürnberger Stadtteil Schafhof hat ein Todesopfer und Dutzende Verletzte gefordert. Bei dem Zwischenfall am Freitagvormittag waren Chemikalien freigesetzt worden. Feuerwehr, Rettungskräfte und Polizei mussten anrücken.
15.05.2026 19:16 Uhr

Zu einem folgenschweren Chemieunfall auf einem Firmengelände eines chemieverarbeitenden Betriebs in der Thurn-und-Taxis-Straße im Nürnberger Nordosten ist es am Freitagvormittag, 15. Mai, gekommen. In der Folge wurde ein Großeinsatz der Nürnberger Hilfsorganisationen sowie der Feuerwehr ausgelöst. Auf dem Areal im Stadtteil Schafhof waren nach Angaben der Feuerwehr Nürnberg gesundheitsgefährdende Stoffe innerhalb des Firmengebäudes ausgetreten.

Die Polizei geht aktuell davon aus, dass durch den Unfall mindestens sieben Personen vor allem entsprechende mittelschwere, schwere bis lebensgefährliche Verletzungen der Atemwege erlitten. Unter diesen befanden sich zwei Beschäftigte, die unmittelbar infolge des Chemieunfalls das Bewusstsein verloren hatten. Einer der beiden Männer verstarb später im Krankenhaus.

Was war geschehen? Nach einem Notruf gegen 11.30 Uhr alarmierte die Integrierte Leitstelle Nürnberg umgehend ein Großaufgebot der Berufsfeuerwehr sowie Einheiten der Freiwilligen Feuerwehren aus Boxdorf, Laufamholz und Werderau. Die zuerst eintreffenden Einsatzkräfte fanden eine dramatische Lage vor, da sie mehrere Verletzte retten und ins Freie bringen mussten.

Die Feuerwehrkräften brachten alle Verletzten zügig aus dem Gefahrenbereich

Die Feuerwehrkräfte schützten sich aufwändig vor den gefährlichen Stoffen im Gebäude. Letztlich gelang es ihnen, alle Verletzten zügig aus dem Gefahrenbereich zu retten und medizinisch zu versorgen. Um eine unkontrollierte Verschleppung des Gefahrstoffs zu verhindern, richteten die Einsatzkräfte einen Dekontaminationsplatz ein. Dort reinigten sie Betroffene und Einsatzkräfte von den Resten des Gefahrstoffs.

Während des Einsatzes wurden kontinuierlich Schadstoffmessungen im umliegenden Bereich des Gebäudes durchgeführt. Hierbei wurden nach Angaben der Feuerwehr keine nennenswerten Schadstoffkonzentrationen im Freien festgestellt. Parallel zu den Rettungsmaßnahmen brachten die Einsatzkräfte etwa 70 Betriebsangehörige aus dem Gebäude und versorgten sie an einer zentralen Betreuungsstelle. Vorsorglich wurden die genannten schwerer verletzten Personen aus der Betreuungsstelle zur Überwachung in umliegende Kliniken gebracht. Insgesamt waren 65 Feuerwehrleute, darunter mehrere Trupps in Chemikalienschutzanzügen, im Einsatz.

Laut Sohrab Taheri-Sohi, dem Pressesprecher der Sanitätseinsatzleitung, sind 30 Personen von den Helfern vor Ort betreut worden. Eine von den beiden lebensgefährlich verletzten Personen musste beim Eintreffen der Einsatzkräfte reanimiert werden. Ersthelfer hatten mit den Reanimationsmaßnahmen bereits zuvor begonnen. Der Mann erlag schließlich später in der Klinik seinen lebensgefährlichen Verletzungen.

Bis zu den Untersuchungen am Unfallort wird noch Zeit vergehen

Das zuständige Fachkommissariat der Kriminalpolizei Nürnberg übernimmt die Ermittlungen zur Unfallursache und zum Unfallhergang. Diese können allerdings derzeit aufgrund der weiterhin unklaren Gefahrensituation in den betroffenen Räumlichkeiten noch nicht vor Ort aufgenommen werden, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Eine Gefahr für Anwohner besteht laut Einschätzung der Feuerwehr nicht.

Die Nürnberger Hilfsorganisationen waren mit der Sanitätseinsatzleitung, mehreren Führungskräften, sechs Rettungswagen, drei Notärzten sowie diversen Schnell-Einsatzgruppen und Einsatzkräften der Psychosozialen Notfallversorgung vor Ort im Einsatz. Insgesamt befanden sich rund 60 Kräfte im Einsatz.


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