Fürth/Obernzenn - Fünf Jahre lang überwachte der ehemalige CSU-Direktkandidat aus dem Stimmkreis Fürth, Christian Schmidt, das Friedensabkommen für das einst vom Krieg zerrissene Bosnien-Herzegowina. Jetzt hat er seinen Rücktritt angekündigt. Beugte er sich dem Druck der USA?
11.05.2026 11:23 Uhr

Der Bosnien-Beauftragte der internationalen Staatengemeinschaft, der Mittelfranke Christian Schmidt, hat seinen Rücktritt angekündigt. „Nach fünf Jahren in der Funktion des Hohen Repräsentanten (...) hat Christian Schmidt die persönliche Entscheidung getroffen, seine Dienste für die Umsetzung des Friedens in Bosnien-Herzegowina zu beenden“, teilte sein Amt in Sarajevo mit. Zuvor hatte die „FAZ am Sonntag“ über die Rücktrittsabsicht des CSU-Politikers berichtet.

Er werde weiterhin die Funktion des Hohen Repräsentanten ausüben, bis ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden sei, hieß es in der Mitteilung weiter.

In einer Stellungnahme an unser Medienhaus äußert sich der Christsoziale

In einer Stellungnahme an unser Medienhaus schreibt Christian Schmidt, der gerade in New York bei den Vereinten Nationen ist: „Ich habe mich unter den obwaltenden politischen Umständen und schweren Herzens entschieden, meine Arbeit in Bosnien-Herzegovina in absehbarer Zeit nach fünf anstrengenden Jahren nicht mehr fortzusetzen. Dies nicht, weil schon alle Arbeit erledigt wäre. So hoffe ich, dass die umfangreichen rechtlichen, personellen und technischen und finanziellen Grundlagen, die ich gemeinsam mit der OSZE und anderen zur Beendigung des grassierenden Wahlbetrugs gelegt habe, bei den Wahlen im Oktober greifen.“

Schmidt weiter: „Ich danke vielen, insbesondere den europäischen Mitgliedsstaaten für Unterstützung. Meine Sorge gilt der Gefahr der Abspaltung des multiethnischen serbisch dominierten Teils Bosniens. Immer stärker agieren Kräfte in diese Richtung. Wer im Balkan auf Grenzverschiebungen oder neue Staaten als Beruhigungsmittel setzt, riskiert gerade das Gegenteil. Ich werde mit meinen Möglichkeiten auch nach meinem Rückzug dagegenhalten.“

Christian Schmidt vertrat über 30 Jahre lang den Stimmkreis Fürth

Geboren und aufgewachsen in Westmittelfranken, war Christian Schmidt über 30 Jahre lang CSU-Direktkandidat im Stimmkreis Fürth, zwischen 2014 und 2018 war er Bundeslandwirtschaftsminister. 2025 erhielt Schmidt die Goldene Bürgermedaille der Stadt Fürth. 2021 schied er aus der aktiven Bundespolitik aus und hatte seither das Amt des Hohen Repräsentanten in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik inne.

Bosnien-Herzegowina besteht seit Ende des Krieges (1992 bis 1995) mit mehr als 100.000 Toten aus zwei Landesteilen: aus der Föderation Bosnien-Herzegowina (FBiH), die hauptsächlich von Bosniaken und Kroaten bewohnt wird, und der hauptsächlich von Serben bewohnten Republika Srpska (RS). Die Landesteile genießen weitgehende Autonomie. Das Friedensabkommen von Dayton aus dem Jahr 1995 sah auch die Schaffung des Amtes des Hohen Repräsentanten (OHR) vor. Er soll die Umsetzung des Friedens überwachen und verfügt dabei über weitgehende Vollmachten. Schmidt, der früher deutscher Landwirtschaftsminister war, bekleidet das Amt seit dem 1. August 2021.

Ehemaliger CSU-Direktkandidat aus Fürth tritt zurück: Druck aus den USA als Ursache?

Das bosnische Nachrichtenportal „avaz.ba“ berichtete unter Berufung auf diplomatische Quellen, Schmidt habe sich auf Druck Washingtons zum Rücktritt entschlossen. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump unterstützt zunehmend den bosnisch-serbischen Politiker Milorad Dodik, der die Abspaltung des serbischen Landesteils RS vom bosnischen Staat betreibt. Mit seinen Vollmachten als Bosnien-Beauftragter hatte Schmidt zahlreiche Gesetze der RS annulliert, die diese Abspaltung einleiten sollten.

Dodik war im Sommer 2025 von einem Gericht in Sarajevo wegen seiner separatistischen Aktivitäten als RS-Präsident abgesetzt worden. Als Vorsitzender der Regierungspartei SNSD gilt er aber weiterhin als „starker Mann“ des serbischen Landesteils. Die Trump-Administration hat die von der vorangegangenen US-Regierung verhängten Sanktionen gegen Dodik und seine Angehörigen aufgehoben.

Hinter der Zuwendung Washingtons zum bosnisch-serbischen Separatisten könnte dessen Unterstützung von Pipeline- und Gaskraftwerksprojekten stehen, die Geschäftsleute aus dem Umfeld Trumps vorantreiben. Nach unbestätigten Informationen des bosnischen Portals „istraga.ba“ sollen die Amerikaner Schmidt sogar angedroht haben, ihn auf ihre Sanktionsliste zu setzen, falls er nicht zurücktrete.