
Das übertraf die Erwartung: Am Ende war es ein Abschied an der Tür wie nach einem Besuch von guten Freunden. Gegenseitiger Dank und ein herzliches „Auf Wiederlesen“ und „Auf Wiedersehen“. Ein Kollege der Lokalredaktion sagte ein wenig gerührt: „Wollen wir sie wirklich schon gehen lassen?“
Zehn Leserinnen und Leser hatten am 5. Mai 2026 beim „Speed Dating“ zum Tag des Lokaljournalismus die Gelegenheit, direkt mit den Redakteurinnen und Redakteuren ins Gespräch zu kommen. Das neue Redaktionsgebäude in der Kressengartenstraße bietet hierfür mit großen Konferenzräumen den idealen Rahmen. „3, 2, 1 – und los“, gab Stefanie Taube, Ressortleiterin des Lokalen Nürnberg, den Startschuss.
„Wie würden Sie einem Außerirdischen Ihren Job erklären“, wollte eine Nürnberger Leserin wissen
Bei einem Speed Dating soll schließlich die Zeit eingehalten werden. Der Reiz für alle Beteiligten liegt im schnellen Austausch. Fünf Minuten, so die Vorgabe, konnten sich die Teilnehmenden jeweils mit einer Redakteurin oder einem Redakteur unterhalten, bevor es einen Platz weiterging.
Und so staunte das Team der Lokalredaktion, wie gut sich die Leserinnen und Leser vorbereitet hatten. Mit überraschenden Fragen: „Wenn Sie morgen die Seite 1 für sich allein zur freien Verfügung hätten – was würden Sie schreiben?“, fragte eine Teilnehmerin. Oder auch: „Stellen Sie sich vor, Sie müssten einem Außerirdischen Ihren Beruf erklären. Was würden Sie sagen?“ Lokalredakteurin Sabine Ebinger war mit der Antwort am Zug: „Das Männchen aus dem All wäre vielleicht verwundert, weil es doch an jeder Ecke Infos gibt. Aber wir filtern sie, übersetzen sie und zeigen Missstände auf.“
Dass die Zeitung bei jungen Leuten in der Regel keine große Rolle spielt, ist bekannt. Umso größer war die Freude, als ein interessierter 13-Jähriger in der ersten von zwei großen Runden dabei war, der sich für den Beruf des Redakteurs interessierte und sich als Zeitungsleser outete. Ob es ein stressiger Job sei, wollte der Journalist in spe wissen. Das konnte keiner bestreiten. „Sicher kein Beruf, bei dem man um 16 Uhr den Laptop zuklappen kann“, hieß es, „aber wenn man seine Aufgaben gern macht, kann man damit gut leben.“
Die aufmerksamen Leserinnen und Leser stellten auch kritische Fragen zur Berichterstattung. Sie bemängelten Fehler in Artikeln, wünschten sich wieder mehr Kultur oder mehr investigative Recherche. Nach den temporeichen und für beide Seiten lehrreichen Runden bot Desk-Leiterin Christine Thurner noch eine Führung durch die Redaktionsräume an. Moderne und flexible Arbeitsplätze – „und keine Papierkörbe an den Tischen“, bemerkte eine Leserin sofort.
Tatsächlich ist der Arbeitsalltag innerhalb der Lokalredaktion mittlerweile so digital, dass kaum noch Papier anfällt. Ungeachtet dessen werden neben den digitalen Kanälen weiterhin Nachrichten auf Papier produziert. Zum Glück, findet die langjährige Leserin Sabine Lindl. „Wenn ich abends nach Hause komme, nehme ich die Zeitung in die Hand – das gehört für mich dazu“, sagt die Nürnbergerin. Wichtig sei die Berichterstattung für die Demokratie. „Und für mich selbst“, sagt sie lachend. „Ein paar Tage ohne meine Zeitung und ich habe das Gefühl, ich weiß nicht, was in Nürnberg los ist.“
Am Tag danach erreichten die Lokalredaktion nochmals dankende Zuschriften: „Aufschlussreich, meine geschätzte Zeitung mal so zu sehen.“ Und: „Ich glaube, ich habe den großen Preis gewonnen.“ Ganz genau: wie der Besuch von guten Freunden.
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