Gunzenhausen - Bayerische Stadt- und Verkehrsplaner informierten sich in Gunzenhausen über Radverkehrsförderung.
28.04.2026 11:19 Uhr

Eine Exkursion der AGFK Bayern führte mehr als 30 Radverkehrs- und Mobilitätsbeauftragte, Stadt- und Verkehrsplaner sowie Sachbearbeiter mit dem Schwerpunkt Radverkehrsförderung nach Gunzenhausen, wie die Stadt mitteilt.

Die Veranstaltung bot einen Überblick darüber, wie in einer Kleinstadt der Weg zu mehr nachhaltiger Mobilität gestaltet werden kann und welche Maßnahmen dabei wirksam sind. Gunzenhausen wurde 2018 als Gründungsmitglied der AGFK Bayern erstmals als fahrradfreundlich zertifiziert. Im vergangenen Jahr verteidigte die Stadt diesen Titel vor einer Prüfkommission. Der Erste Bürgermeister Karl-Heinz Fitz betonte, dass Gunzenhausen mittlerweile ein Best-Practice-Beispiel in Sachen Radverkehr sei.

Die Rezertifizierung zur fahrradfreundlichen Stadt bedurfte dennoch großer Anstrengungen. Die Prüfer überzeugten die umfangreichen Infrastrukturmaßnahmen zur Verbesserung des Radverkehrs im Stadtgebiet und in den Ortsteilen, die seit 2018 kontinuierlich umgesetzt wurden. Als positiv wurden zudem die flächendeckend installierten Abstellanlagen an öffentlichen Einrichtungen wahrgenommen, außerdem das kommunale Lastenradverleihsystem und das ehrenamtliche Seniorenrikscha-Projekt.

Klaus Stephan: „Es besteht weiter Handlungsbedarf“

Der Hauptamtsleiter und Radverkehrsbeauftragte der Stadt Gunzenhausen, Klaus Stephan, erklärte, dass trotz der vielen positiven Aspekte weiterhin Handlungsbedarf bestehe. Bei städtebaulichen Maßnahmen habe die Stadt einen Blick auf alle Mobilitätsarten, unter anderem auf das Fahrrad. Die Infrastruktur müsse den wachsenden Bedarf an Zweirädern abbilden und als Element der Verkehrswende berücksichtigen. So seien beispielsweise gefährliche Verkehrssituationen nach und nach zu entschärfen, Querungsstellen einzurichten, weitere Abstellanlagen zu schaffen und die Vernetzung der Fortbewegungsmittel übergreifend kontinuierlich zu verbessern. Die Exkursion gliederte sich in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Im theoretischen Teil hielt Klaus Stephan als städtischer Radverkehrsbeauftragter einen Vortrag zur kommunalen Mobilitätswende und zur fahrradfreundlichen Weiterentwicklung der öffentlichen Infrastruktur in Gunzenhausen zwischen 2015 bis 2025. Dabei wurde dargestellt, welche strategischen Entscheidungen, Förderinstrumente und Beteiligungsformate auf dem Weg zur nachhaltigeren kommunalen Mobilität eine Rolle gespielt haben.

Begleitete Fahrradtour durch Gunzenhausen

Im praktischen Teil folgte eine begleitete Fahrradtour durch Gunzenhausen, bei der vor Ort Praxisbeispiele vorgestellt wurden – vom neu gestalteten Ein- und Ausfahrbereich Marktplatz/Saumarkt bis hin zum entschärften Scharfen Eck. Ein zentraler Mehrwert der Exkursion war der informelle Austausch in zwangloser Atmosphäre. So konnten Praxiserfahrungen diskutiert und Projekte besprochen werden. Teilnehmende erhielten nicht nur Erkenntnisse zu konkreten Maßnahmen, sondern auch Einblicke, wie Radverkehrsförderung unter begrenzten Ressourcen in einer kleineren Kommune gelingen kann. Die umgesetzten Projekte und Maßnahmen in Gunzenhausen entfalten eine Wirkung. Zugleich machte die Exkursion deutlich, dass die Mobilitätswende ein fortlaufender Prozess bleibt, der ständige Anpassung, Bürgerbeteiligung und beharrliches politisches Handeln erfordert. Die Veranstaltung zeigte, dass der gemeinsame Blick über den Tellerrand Impulse für die Praxis liefert und den Austausch unter Fachkollegen nachhaltig stärkt.