Landkreis Roth - Gero von Fritschen, Brigadegeneral der Bundeswehr und Leiter der neuen Offizierschule in Roth, übernimmt zusätzlich die Rolle des Spargel-Produktpaten im Landkreis. Im Interview spricht er außerdem über sein Einleben in der Otto-Lilienthal-Kaserne.
09.04.2026 10:13 Uhr

Was haben die Offizierschule der Bundeswehr in Roth (OSLw) mit den Spargelwochen des Landkreises gemeinsam? Brigadegeneral Gero von Fritschen hat die Produktpatenschaft übernommen. Warum, erklärt er im Gespräch mit dem Landratsamt Roth.

Was ist das Erste, das Ihnen zu Spargel in den Sinn kommt?

Gero von Fritschen: Etwas sehr Feines, das trotzdem überhaupt nicht abgehoben ist und gleichzeitig ein Produkt, welches beweist, dass Regionalität auch ein Ereignis ist. Es muss nicht immer der Blick in die Ferne sein.

Erinnerungen und Genuss im Alltag

Gibt es vielleicht sogar eine Kindheits- oder besondere Erinnerung dazu?

Von Fritschen: Ich verbinde Spargel mit Vorfreude. Wenn die Spargelzeit beginnt, ist der Winter passée und wir freuen uns auf schönes Wetter nach der dunklen Jahreszeit. Dadurch hat Spargel für mich auch immer etwas Besonderes. Es ist kein Alltagsgemüse, sondern eher ein kulinarischer Lagewechsel.

Anders gefragt: War oder ist Spargel ein Thema?

Von Fritschen: Für mich ist Essen mehr als Nahrungsaufnahme. Schon die Zubereitung verschafft meiner Frau und mir gemeinsame Zeit und wir genießen durchaus das Kulinarische – da gehört Spargel für uns dazu. In Verbindung mit einem guten Glas Wein, das ist eines kleines Stück Lebensqualität.

Lieblingsvarianten und Kochrollen daheim

Damit die Glaubensfrage: Grün oder weiß, oder anders gefragt: Wie essen Sie Ihren Spargel am liebsten?

Von Fritschen: Am liebsten klassisch: weißer Spargel, Kartoffeln, zerlassene Butter, etwas Schinken – ohne Überfrachtung auf dem Teller. Wir probieren aber auch gerne Gerichte aus anderen Kulturkreisen und, bedingt durch meine lange Einsatzzeit im Nahen Osten, genießen wir durchaus die levantinische Küche. Da gibt es hervorragende Rezepte für grünen Spargel.

Wir wollen es natürlich genau wissen: Wer kocht denn bei Ihnen zu Hause? Sie, Ihre Frau?

Sagen wir es diplomatisch: Zuständigkeiten können wechseln, der Qualitätsanspruch bleibt hoch. Spaß beiseite: Meine Frau und ich genießen es, zusammen zu kochen, und da gibt es unterschiedliche Rollenverteilungen – ich darf meist an die Fleisch- und Fischzubereitung heran. Ansonsten eigne ich mich wohl durchaus als Küchenhilfe.

Regionale Küche und Ankommen in Roth

Gibt es ein klassisches „von Fritschen“-Familiengericht?

Von Fritschen: Das eine klassische Familiengericht gibt es bei uns weniger – wir lassen uns gerne kulinarisch aus dem Urlaub inspirieren. Aber das ist manchmal wie mit der berühmten Flasche Wein im Kofferraum: Zu Hause ist die Erinnerung oft noch ein wenig besser als der erste Schluck. Deshalb setzen wir beim Kochen lieber auf das, was die Jahreszeit gerade hergibt. Saisonale Küche passt einfach am besten zu unserem Alltag – und im Frühjahr führt da am Spargel kaum ein Weg vorbei.

Kulinarik ist ein großes Thema im Landkreis Roth. (Wie) haben Sie das bisher wahrgenommen?

Von Fritschen: Roth kann beides: herzlich empfangen und sehr ordentlich auftischen. Das beschreibt die Region aus meiner Sicht sehr gut. Die landschaftliche Schönheit und die besondere Atmosphäre spiegeln sich auch in der Qualität der regionalen Küche wider. Gleichzeitig beeindruckt mich die Offenheit, die man hier auch in der Vielfalt der Gastronomie erkennt. Klar ist aber auch: Man steht zu seiner eigenen Küche und zur eigenen kulinarischen Identität. Genau das macht eine Region glaubwürdig und sympathisch.

Nachbesprechung nach belastenden Einsätzen

Gute Überleitung: Was ist Ihr Empfinden? Sind die Neuen angekommen?

Von Fritschen: Ankommen ist ein Prozess – aber Roth macht es einem leicht. Ich sehe inzwischen abends in der Stadt viele Menschen, bei denen man ziemlich sicher sagen kann: Die kommen aus der Otto-Lilienthal-Kaserne. Das zeigt, dass wir nach und nach wirklich Teil des Ortes werden. Und ich bin mir sicher: Mit wärmeren Temperaturen und längeren Tagen wird das noch sichtbarer. Besonders freut mich auch, dass wir viele Besuchsanfragen bekommen. Darin zeigt sich die Offenheit und Neugier dieser Region – und genau das hilft beim Ankommen ungemein.

Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach „die Halbe“ danach, sprich, das Zusammensetzen nach einem (kritischen) Einsatz?

Von Fritschen: Die Nachbesprechung gehört zu belastenden Lagen zwingend dazu – so wie vorher die Einweisung oder der Auftrag. Nur so können wir aus Erfahrungen lernen und besser werden. Gerade in Berufen wie bei den Streitkräften oder in den Blaulichtorganisationen hat sie aber noch eine zweite, sehr wichtige Funktion: Sie hilft bei der Reflexion und Verarbeitung. Im Gespräch merkt der Einzelne, dass er mit dem Erlebten und dem eigenen Empfinden nicht allein ist. Das schafft Vertrauen, verbindet und entlastet. Und mir als Vorgesetzten hilft es, frühzeitig zu erkennen, wo möglicherweise weiterer Handlungsbedarf besteht.

Heimat stärken durch regionale Erzeuger

Was verbinden Sie mit dem Landkreis? Fühlen Sie sich wohl hier und wenn ja, warum…

Von Fritschen: Ja, ich fühle mich hier sehr wohl, weil man freundlich aufgenommen wird – und weil Substanz wichtiger ist als Fassade. Ich erlebe den Landkreis Roth als leistungsstark, unverstellt und offen im besten Sinne. Gerade in vielen Gesprächen im Rahmen der zivil-militärischen Zusammenarbeit hat sich dieser Eindruck bei mir sehr deutlich eingestellt und verfestigt. Man spricht klar miteinander, geht pragmatisch an Themen heran und begegnet sich mit ehrlichem Interesse. Das macht diese Region sehr sympathisch.

Blick in die Zukunft der Offizierschule

Letzte Frage: In zehn Jahren ...

Von Fritschen: In zehn Jahren hoffe ich, persönlich wie institutionell auf eine gute Entwicklung zurückblicken zu können. Die Offizierschule der Luftwaffe soll dann fest in Roth verankert, modern aufgestellt und zugleich ihrer Tradition treu geblieben sein. Und mein Wunsch ist, dass man dann klar sagen kann: Das war eine richtige Entscheidung – für die Region und für die Luftwaffe.

Bitte vervollständigen Sie noch den Satz: Ich bin gerne hier, weil…

Von Fritschen: Ich bin gerne hier, weil Roth es einem leicht macht, anzukommen: Man wird freundlich aufgenommen, isst sehr gut und merkt schnell, dass die Menschen in ihrer Region fest verwurzelt sind. Vielleicht ist das die fränkische Art zu sagen: Schön, dass Sie da sind – aber jetzt setzen Sie sich erst einmal und probieren den Spargel.